Deutschlands Mobilfunk-Branche und die ungelöste Formel E+O2=?

- München - E+O2= ? Über dieser Formel brütet die Telekommunikationsbranche. Deutschlands drittgrößter Mobilfunker, E-Plus, sollte mit dem viertgrößten, O2, verbandelt werden. Die Fusion der Muttergesellschaften im Zuge einer freundlichen Übernahme klappte aber nicht. Jetzt rechnen Börsianer mit einer feindlichen Übernahme und Unternehmenskenner mit einer neuen Branchenstruktur in Deutschland.

<P>Vier Jahre nach den milliardenschweren Zukäufen und dem anschließenden Einbruch der Telekomwerte an den Börsen ist unter den führenden Betreibern in Europa das Fusionsfieber ausgebrochen. Während die Deutsche Telekom auf eine Mehrheit beim polnischen Marktführer PTC schielt, geraten die britische MMO2 und die französische SFR, an der Vodafone interessiert sein soll, ins Visier ihrer Konkurrenten.<BR><BR>Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt wird schon länger über einen Zusammenschluss von E-Plus und O2 spekuliert. Die Unternehmen sind die deutschen Töchter der niederländischen KPN und der britischen MMO2. O2 mit seiner Zentrale in München beschäftigt in Deutschland 3500 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon in der Landeshauptstadt. Beide Anbieter stehen im Schatten der beiden deutschen Mobilfunk-Größen T-Mobile und Vodafone, die zusammen etwa 80 Prozent Marktanteil haben. KPN wollte MMO2 übernehmen, was zu einer Fusion von E-Plus und O2 geführt hätte. </P><P>Die Übernahmegespräche wurden aber erfolglos abgebrochen, wie nun bekannt wurde. "Unser Unternehmen ist finanziell gesund", sagt KPN-Finanzchef Maarten Henderson über einen Konzern, der vor wenigen Jahren kurz vor der Pleite stand. KPN erzielte im vergangenen Jahr einen Reingewinn von 2,7 Milliarden Euro. Und E-Plus verzeichnete mit 13 Prozent mehr Kunden das erfolgreichste Jahr seiner Firmengeschichte. </P><P>KPN versuche jetzt auch, durch Akquisitionen die Geschäftsbasis zu erweitern, erklärte Maarten. An den Börsen wird mit einer feindlichen Übernahme von MMO2 spekuliert. Sprecher von KPN schlossen gegenüber Zeitungen in England und Deutschland eine solche Strategie nicht aus. MMO2 war plötzlich an der Börse nicht mehr 11,8 Milliarden Euro wert, sondern 14,0 Milliarden. Da half es auch nichts mehr, dass KPN-Chef Ad Scheepbouwer beteuerte, man habe "keine Pläne, einen feindlichen Übernahmeversuch bei irgendeiner Firma zu starten".</P><P>Eine Fusion von O2und E-Plus hält Marcus Schmit, Telekom-Analyst der Münchner Privatbank Hauck & Auffhäuser, für eine logische Konsequenz. "KPN bleibt über kurz oder lang gar nichts anderes übrig". Gemeinsam würden E-Plus und O2 auf rund 15 Millionen Kunden oder einen Marktanteil von 20 Prozent kommen. In den vergangenen Jahren seien die kleinen Anbieter nicht ernsthaft vorangekommen, meint Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. "Operativ verdienen sie zwar Geld, aber das große Wachstum fehlt." </P><P>Gerade für das künftige Geschäft mit UMTS-Diensten gilt aber ein großes Stück am Mobilfunkkuchen in Deutschland als Voraussetzung für das Überleben in der Branche. Nach Ansicht von Experten wäre mit einem Zusammenschluss die kritische Größe erreicht, um dauerhaft gegen die Marktführer T-Mobile und Vodafone D2 bestehen zu können. Der Preis wäre aber hoch. E-Plus und O2 haben beide eine UMTS-Lizenz - eine davon müsste entschädigungslos zurückgegeben werden. Damit wären 7,5 Milliarden Euro unwiederbringlich verloren.<BR><BR></P>

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