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Raimund Röseler, 52, hat Deutschlands Banken im Blick: Zweistellige Millionenbeträge an Boni seien mittlerweile Geschichte, sagt er. Der Kulturwandel sei ein gutes Stück vorangekommen.

Deutschlands Oberster Bankenaufseher

Raimund Röseler: "Wir sind sehr wachsam"

München - Die Europäische Zentralbank verführt die Banken mit Nullzinsen und Wertpapierankäufen wieder zu riskanteren Geschäften. Deutschlands oberster Bankenaufseher Raimund Röseler ist besorgt.

Herr Röseler, die Zinsen sind niedrig wie nie, die Geldflut der EZB droht das Problem zu verschärfen. Was bedeutet das für die Banken?

Für Banken, die vom Zinsergebnis abhängig sind, ist das eine schwierige Situation. Das Umfeld wird anstrengender und herausfordernder.

Welche Banken sind besonders betroffen?

Es sind insbesondere Banken betroffen, die stark im Einlagengeschäft tätig sind. Das sind alle in der Fläche tätigen Privatkundenbanken. Darunter auch Sparkassen und Volksbanken.

Wie hoch sind die Risiken bei den Banken?

Wir haben sehr viel Liquidität im Markt. Viele Banken haben einen Überschuss an Einlagen. Diese können sie bei der EZB zu einem negativen Zins anlegen. Oder sie können Kredite mit schwachen Margen vergeben. Noch halten sich die Banken mit riskanten Anlagen zurück. Meine Befürchtung ist aber, dass ihre Geduld irgendwann zu Ende ist. Irgendwann wollen die Banken Erträge sehen.

Und dann investieren Banken vermehrt in riskante Anlagen?

Ja, das ist genau unsere Sorge. Irgendwann könnten Banken in Geschäftsfelder investieren, die sie selbst nicht mehr beherrschen. Wie vor der Finanzmarktkrise 2007: Da hat manche Bank zweitklassige amerikanische Verbriefungen gekauft.

Sehen Sie Anzeichen, dass es so etwas wieder gibt?

Nein, noch nicht. Aber wir sind sehr wachsam.

Gesetzt der Fall, eine große Bank geht pleite: Können Sie garantieren, dass der Steuerzahler nicht wieder einspringen muss?

Wir arbeiten auf nationaler und internationaler Ebene intensiv daran, dass dies nicht wieder vorkommt. Inzwischen würden wir uns zutrauen Banken abzuwickeln, die wir vor der Finanzmarktkrise mit Steuergeldern gerettet hätten.

Wann wird der Steuerzahler vor Bankenpleiten sicher sein?

Wir sehen uns da auf einem guten Weg. Beispielsweise wollen die 18 global systemrelevanten Großbanken eine Vereinbarung unterzeichnen, die eine Behandlung von Derivaten im Abwicklungsfall deutlich erleichtern würde. Zu diesen Banken gehört auch die Deutsche Bank.

In Deutschland sind die Gewinnmargen für Banken gering. Wird es zu einer Bereinigung kommen?

Ich erwarte eine Konsolidierung. Die Geschäfts- und Bankkapazität wird abnehmen, die Zahl der Banken aber nicht zwingend sinken.

Sind Fusionen und Übernahmen denkbar?

Übernahmen und Fusionen sind kein Allheilmittel gegen Ertragsschwäche. Wenn sich zwei ertragsschwache Banken zusammentun, dann haben sie auf der Kostenseite ein paar Vorteile. Auf der Ertragsseite ändert sich aber nicht viel.

Nun sind einige Großbanken unter die Kontrolle der EZB gekommen. Sind Sie froh, dass die größten Risiken nicht mehr in Ihre Zuständigkeit fallen?

So ganz stimmt das ja nicht. Diese großen Banken sind unter die Aufsicht der europäischen Bankenaufsicht SSM gekommen, die von der EZB geführt wird. Aber alle Entscheidungen trifft das gemeinsame Aufsichtsgremium. Hier sitzen die Chefs der nationalen Aufsichtsbehörden und vier Vertreter der EZB. In diesem Gremium sind also auch wir präsent. Umgekehrt sind wir jetzt auch in der Mitverantwortung für die Aufsicht über die Institute der anderen Länder.

Nach der Finanzmarktkrise haben alle Banken einen Kulturwandel versprochen. Wie weit sind wir vorangekommen?

Der Kulturwandel ist ein gutes Stück vorangekommen. Banken konzentrieren sich stärker auf ihr Kerngeschäft. Geschäfte mit strukturierten Wertpapieren, die keinen realen Nutzen stiften, gibt es nur noch in sehr geringem Umfang. Ein wichtiges Thema ist die Vergütung. Auch hier stehen wir im Dialog mit den Banken. Sie nehmen dieses Thema sehr ernst.

Die Commerzbank und die Deutsche Bank haben den Anteil der Boni an den Gesamtvergütungen wieder erhöht. Das zeigt doch, dass der Kulturwandel nicht so recht funktioniert.

Wir hatten vor der Finanzmarktkrise Fälle, in denen einzelne Händler hohe zweistellige Millionenbeträge an Boni bekommen haben. So etwas gibt es nicht mehr. Zumindest bei deutschen Instituten sind solche Übertreibungen Geschichte.

Auf ihren Hauptversammlungen signalisieren die Banken aber, dass sie jetzt wieder mehr Boni zahlen wollen.

Variable Vergütung ist ja nicht per se schlecht, sondern wichtig. Sie muss aber im Einklang mit den Unternehmenszielen stehen. Der Bonus darf sich nicht an nackten Umsatzzielen orientieren.

Finden Sie es schräg, dass die Commerzbank mehr Geld an Boni ausschüttet, als sie an Gewinn erwirtschaftet?

Zu einzelnen Instituten äußere ich mich nicht. Aber unabhängig davon: Gewinne und Boni sollten in einer gesunden Balance zueinander stehen.

Der versprochene Kulturwandel ist das eine. Gleichzeitig haben Politiker nach der Finanzmarktkrise beteuert, die Banken schärfer zu regulieren. Man hat aber den Eindruck, als sei die tatsächliche Regulierung laxer ausgefallen als versprochen.

Von den Banken höre ich das genaue Gegenteil. Die klagen über eine zu strenge Regulierung. Wir haben die Regulierungsvorschriften Basel III umgesetzt, wir haben Vergütungsregeln verschärft, wir haben hohe Anforderungen an Geschäftsleiter und Aufsichtsräte. Jetzt müssen wir beobachten, wie die Regulierung wirkt. Man muss aber auch aufpassen, dass man nicht über das Ziel hinaus schießt und die Regeln unnötig verkompliziert. Gerade für kleinere Banken stellen die komplexen Regelwerke eine nicht unerhebliche Belastung dar.

Aber vielleicht ist das ja nötig. Wir erinnern uns an die Libor-Manipulation und den Umsatzsteuerbetrug der großen Banken. Viel Vertrauen in die Redlichkeit ist nicht da.

Die meisten Manipulationsversuche haben vor der Finanzmarktkrise stattgefunden. Bei allen großen Banken sehe ich jetzt eine Null-Toleranz-Politik. Wenn die heute eine auffällige Kommunikation zwischen Händlern feststellen, werden Konsequenzen gezogen. Das kann bis zur Freisetzung der betroffenen Mitarbeiter führen.

Sind die Banker bessere Menschen geworden?

Die Frage kann ich nicht beantworten. Ich glaube, Bankmitarbeiter unterscheiden sich nicht per se von anderen Menschen.

Interview: Georg Anastasiadis, Sebastian Hölzle

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