Deutschlands Wirtschaft wächst schneller als erwartet

- Wiesbaden - Der Export bringt die Konjunktur in Deutschland immer mehr in Schwung. Die Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Allerdings sei die Binnennachfrage weiter schwach. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement zeigte sich für das Gesamtjahr optimistischer als noch im Frühjahr. Im gesamten Euro-Raum stehen die Signale auf Wachstum, wie die Europäische Zentralbank erklärte.

<P>Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts - also aller in Deutschland erwirtschafteten Leistungen - war bereits das vierte in Folge. Im zweiten Quartal 2003 war die deutsche Wirtschaft noch um 0,2 Prozent geschrumpft. Das Statistische Bundesamt sprach von einer "leichten Belebung der Wirtschaft". Ausschlaggebend sei wie schon im ersten Quartal der Anstieg des Exportüberschusses gewesen. "Die inländische Verwendung hat dagegen nahezu stagniert", hieß es weiter. Die Zahl der Erwerbstätigen, die die Wirtschaftsleistung erbrachten, schrumpfte gegenüber dem Vorjahreswert um 0,3 Prozent oder 112 000 auf 38,2 Millionen.<BR><BR>Clement räumte ein, dass die Belebung "noch nicht in ausreichender Weise in der Binnenwirtschaft angekommen" sei. "Wir müssen alles tun, um dies zu fördern." Die Arbeitsmarktreformen seien ein Beitrag dazu.<BR><BR>Insgesamt sei die Konjunkturentwicklung "sehr erfreulich". Clement deutete an, dass sich seine Erwartung für das Gesamtjahr verbessert hat. Die Bundesregierung hatte im Frühjahr für 2004 offiziell 1,5 bis 2,0 Prozent Wachstum prognostiziert, allerdings eher am unteren Rand der Spanne. Nun sagte Clement: "Ich gehe davon aus, dass wir nicht an der untersten Grenze dieser Erwartung bleiben werden, sondern höher abschneiden werden."<BR><BR>SPD-Wirtschaftsexperte Klaus Brandner prognostizierte sogar, dass "die Zweiprozentmarke" erreicht werde. Damit werde die Beschäftigungsschwelle überschritten. Brandner sieht auch Anzeichen, dass "die Binnenkonjunktur zwischenzeitlich anspringt".<BR><BR>Die CDU widersprach und warf der Regierung "verfehlte Wirtschaftspolitik" vor. Notwendige Reformschritte wie die Vereinfachung des Steuerrechts würden nicht angegangen, erklärte Wirtschaftsexperte Matthias Wissmann. Rot-Grün müsse der Unsicherheit der Bevölkerung entgegenwirken.<BR><BR>Nach der Analyse der Europäischen Zentralbank gilt die wirtschaftliche Belebung für den gesamten Euro-Raum. "Die Voraussetzungen für einen sich auf breiterer Front verstärkenden Aufschwung sind gegeben", erklärte das Institut in seinem Monatsbericht. Die robuste Konjunktur außerhalb der Euro-Zone werde den Export unterstützen. Auch für die Investitionen in den Ländern der Gemeinschaftswährung und eine Steigerung des privaten Konsums sieht die EZB gute Chancen.<BR><BR>Allerdings könnten hohe Ölpreise die Wachstumsdynamik dämpfen, warnte die EZB. Sie sieht "Anlass zur Besorgnis". Die Ölpreise übten auf kurze Sicht weiter einen Aufwärtsdruck auf das allgemeine Preisniveau aus.<BR><BR>In Bayern habe das Wachstum im gesamten ersten Halbjahr 2,0 Prozent betragen, während es im Bund 1,75 Prozent gewesen seien, sagte Wirtschaftsminister Otto Wiesheu. Seine Zahlen beruhen auf Schätzungen.</P><P align=center></P>

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