DGB-Chef Sommer: Armutsrisiko bei Zeitarbeit beseitigen

DGB-Chef Sommer: - Berlin - Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, dringt auf einen einheitlichen Mindestlohn für die Beschäftigten der Zeitarbeitsbranche.

Jeder achte Zeitarbeitnehmer verdiene so wenig, dass er ergänzend Hartz-IV- Leistungen erhalte. "Damit zeigt sich, dass ein erheblicher Teil der Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer in prekären Beschäftigungsverhältnissen steckt, die den notwendigen Lebensunterhalt nicht absichern", kritisierte Sommer in Berlin.

"Es handelt sich dabei vorwiegend um Beschäftigte von Unternehmen, die den DGB-Tarifvertrag mit der Branche unterlaufen und niedrigere Verträge mit so genannten christlichen Gewerkschaften abgeschlossen haben", sagte der DGB-Chef. Nach den vom DGB mit den großen Zeitarbeitsverbänden BZA und IGZ vereinbarten Tarifverträgen werden in der untersten Tarifgruppe 7,15 Euro im Westen und 6,22 Euro im Osten bezahlt. Der DGB tritt für einen branchenunabhängigen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro ein.

Es sei "höchste Zeit, das Armutsrisiko in der Zeitarbeit zu beseitigen", meinte Sommer. Er fordere deshalb Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) auf, durch Aufnahme der Zeitarbeit in das Entsendegesetz "endlich grünes Licht für den vereinbarten Mindestlohn bei der Leiharbeit zu geben". Auch ein gesetzlicher Mindestlohn von 7,50 Euro "würde die unerträglich niedrigen Stundenlöhne verhindern, die manche skrupellosen Zeitarbeitsfirmen zahlen".

Nach aktuellen Berechnungen des DGB erhielten von den 556 202 sozialversicherungspflichtig bei Zeitarbeitsfirmen Beschäftigten knapp 69 000 (12,4 Prozent) ergänzend Hartz IV. Fast bei allen Betroffenen (94 Prozent) handelte es sich um Vollzeitbeschäftigte. Jeder sechste (16,6 Prozent) Zeitarbeitnehmer ohne Berufsausbildung war auf Hartz IV angewiesen, bei Beschäftigten mit Ausbildung jeder Zehnte.

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