DGB: Kräftige Reallohnsteigerungen "Gebot der Stunde"

Berlin - Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, hält "kräftige Reallohnsteigerungen" trotz der Konjunkturabschwächung für "das Gebot der Stunde".

"Den Aufschwung können wir vor möglichen negativen Auswirkungen der amerikanischen Finanzkrise nur stabilisieren, wenn nach dem Export jetzt die Binnennachfrage zum zweiten Standbein der Konjunktur wird", sagte Sommer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Mit Blick auf die aktuell laufenden Tarifverhandlungen in vielen Bereichen nannte er als Orientierungsmarke für eine "anständige Lohnerhöhung" den Abschluss in der Stahlindustrie: Dort sei der Verteilungsspielraum mit plus 5,2 Prozent ausgeschöpft worden. Für den öffentlichen Dienst fordert die Gewerkschaft ver.di acht Prozent oder mindestens 200 Euro monatlich.

Sommer wies Befürchtungen zurück, eine kräftige Lohnsteigerung könne den bereits nachlassenden Aufschwung weiter dämpfen: "Geht es nach den Arbeitgebern und konservativen Ökonomen, dann ist jeder Zeitpunkt für Lohnerhöhungen falsch. 15 Jahren stagnierende Realeinkommen haben Lohnquote und Binnennachfrage in den Keller sausen lassen ­ mit allen negativen Folgen für die Konjunktur."

Zu den von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Wirtschaft und Opposition geforderten Steuererleichterungen - sie sollen dafür sorgen, dass aus Brutto mehr Netto wird - äußerte sich der DGB-Chef skeptisch: "Da habe ich so meine Probleme mit. Meist werden sie blumig als Gewinn für alle angekündigt und enden dann mit massiven Entlastungen der Besserverdienenden - vor allem auf Kosten des Mittelstandes, zu dem ja auch Facharbeiter gehören."

Es müsse sichergestellt sein, dass der Staat über ausreichende Finanzen verfüge, um seinen Aufgaben für Bürger und Wirtschaft nachkommen zu können. "Ich habe nichts gegen Steuersenkungen, wenn sie Mittelstand und geringer Verdienende entlasten und wenn beim Staat Geld genug übrig bleibt ­ vor allem für deutlich mehr Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Forschung", sagte Sommer.

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