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Abu Dhabi ist das größte der Vereinigten Arabischen Emirate und sorgt bereits fürs Nach-Öl-Zeitalter vor.

Luft- und Raumfahrtindustrie

Abu Dhabi will Hightech aus Bayern

München - Die bayerische Luft- und- Raumfahrtindustrie strebt in Richtung Abu Dhabi. Ihre Organisation BavAIRia hat mit dem Emirat eine Vereinbarung geschlossen, die Unternehmen aus Bayern dort Fuß fassen lässt.

Noch kann das größte der Vereinigten Arabischen Emirate gut vom Erdöl leben. Die Reserven von Abu Dhabi reichen leicht noch für 100 Jahre. Doch längst macht man sich dort Gedanken, was danach kommen soll. Der Staatsfonds des reichen Ölstaates investiert Milliarden auch in deutschen Unternehmen – wie Daimler. Man will aber auch eine eigene Industrie aufbauen.

Nicht irgendeine Industrie, ausschließlich Hightech ist gefragt. Denn nur mit höchsten Ansprüchen an Ausbildung und Qualifikation – so rechnet man dort – lässt sich der hohe Lebensstandard aufrechterhalten. Am Flughafen von Al Ain, der zweitgrößten Stadt des Emirats, entsteht ein Luft- und Raumfahrt-Cluster, in dem sich Unternehmen ansiedeln sollen.

Dabei stieß das Emirat auch auf Firmen aus dem Freistaat – und will sie als Partner. Die meisten davon sind in ihrer Heimat kaum bekannt. Denn auch exzellente Unternehmen stehen in dieser Branche im Schatten des Giganten EADS.

So waren die Vertreter des Emirats erstaunt, warum die bayerischen Mittelständler, die sich ihnen präsentierten, öffentlich kaum in Erscheinung treten. Denn was selbst die kleineren von ihnen können, überzeugte. „Es gibt weltweit keine andere Region, in der die Unternehmen so mittelständisch geprägt und gleichzeitig so perfekt organisiert sind“, freut sich der BavAIRia-Vorsitzende und Cluster-Manager Martin Haunschild und lobt die Disziplin, mit der die bayerischen Firmen sich den Arabern vorgestellt haben.

Sie finden in Abu Dhabi nun geöffnete Türen vor. Denn die Partnergesellschaft von BavAIRria, die Abu Dhabi Airports Company ( ADAC ) will in München oder Oberpfaffenhofen ein eigenes Büro eröffnen, um die Zusammenarbeit auszubauen.

Mit drei Unternehmen ist es bereits zu Vorverträgen gekommen: Dem Leichtbauspezialisten MT-Technologies in Augsburg, dem Turbinenbau-Zulieferer Aerotech Peißenberg und dem Seefelder Instrumentenentwickler und -bauer Aircraft Electronic Engineering. Weitere sollen folgen. Haunschild sieht ein großes Interesse auch bei den Unternehmen. „Wenn wir sechs oder sieben haben, dann gründen wir in Al Ain eine bayerische Ecke“, witzelt er. Die Zahl könnte bald erreicht sein. In Al Ain dürften auch neue innereuropäische Verbindungen entstehen. Auf dem riesigen Gelände wollen sich auch Firmen aus anderen Luft- und Raumfahrtländern niederlassen – etwa Italien.

Die Unternehmen genießen in Abu Dhabi praktisch Steuerfreiheit und erwarten bei einem kostenlosen Gesundheitssystem Lohnkosten auf dem Niveau von Singapur. Und sie bekommen Zugang zu den wichtiger werdenden Märkten im Mittleren Osten.

Umgekehrt müssen sie nicht befürchten, dass ihre Produkte gleich abgekupfert und nachgebaut werden, wie das vielfach in Indien und China der Fall ist. Dort gründen viele Unternehmen der Branche nur deshalb noch eigene Standorte, weil das für deutsche Unternehmen immer häufiger Bedingung dafür ist, um als Zulieferer mit EADS ins Geschäft zu kommen.

Langfristig wird allerdings auch im Fall Abu Dhabi ein Transfer von Wissen erwartet. Doch sieht Haunschild dort keine Gefahr des Ideenklaus. Niemand wolle in Abu Dhabi billige Kopien europäischer Produkte herstellen. Die Araber wollen dagegen vom Ausbildungsstand und der hohen Produktivität der bayerischen Unternehmen profitieren. Beides soll Vorbild für die arabische Industrie werden. Zwar wird in den Emiraten bereits auf hohem Niveau ausgebildet, doch bislang überwiegend der Management-Nachwuchs. Die Luft- und Raumfahrtindustrie stellt andere Ansprüche. Dazu braucht man Ingenieure und Facharbeiter.

In Abu Dhabi sind die deutschen Unternehmen der Branche willkommen, daheim drohen sie im hart umkämpften Markt für Zulieferer ins Abseits zu geraten. Denn zunehmend drängen staatlich subventionierte Unternehmen vor allem aus Osteuropa in ihren angestammten Markt.

Martin Prem

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