Dialer: Die tückischen Fallen im Daten-Dschungel Internet

- Der Daten-Dschungel Internet ist voller Fallen. Wer den Klick an die falsche Stelle setzt, kann schnell zum Opfer von Abzockern werden. Zu den tückischsten Fallgruben zählen "0190-Dialer", Programme, die heimlich teure Servicenummern anwählen und Verbraucher schröpfen. Wer hier reingefallen ist, kann sich mit der richtigen Taktik aus dem Sumpf ziehen. Die neueste Rechtsprechung bietet dabei Hilfe.

<P>"Auf einen Dialer kann jeder hereinfallen", sagt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. Die Programme wählen sich über Servicenummern ins Internet ein, bei denen allein für die einmalige Verbindung horrende Gebühren verlangt werden, ohne dass eine zusätzliche Dienstleistung erbracht wurde. Wer auch nur eine Sekunde über einen Dialer ins Netz gelockt wurde, muss mit einer Forderung von 50 Euro oder mehr rechnen. Zwar muss der Internet-Nutzer einen Dialer selbst starten. Dieser Schritt wird aber so gut getarnt, dass ihn der Nutzer oft nicht bemerkt.<BR><BR>Unseriöse Anbieter versuchen Verbraucher etwa durch fingierte Systemmeldungen zu täuschen. Sie gaukeln vor, dass ein Computervirus entfernt werden muss (siehe Kasten). Das Programm, das angeblich den Virus identifiziert, startet in Wirklichkeit die teure Einwahl ins Internet. Die Folge ist eine Kostenexplosion auf der nächsten Telefonrechnung. Die sollte der Kunde jedoch verpuffen lassen.<BR><BR>Rechnung kürzen</P><P>Wer eine Forderung auf der Telefonrechnung findet, die auf einen unseriösen Dialer zurückzuführen ist, sollte den entsprechenden Betrag nicht bezahlen, rät Saller. Ist die Telefonrechnung per Lastschrift eingezogen worden, sollte diese widerrufen werden. "Grundsätzlich ist das unbefristet möglich, man sollte aber so schnell wie möglich handeln", rät Saller. Der Kunde sollte nur den unstrittigen Teil der Rechnung überweisen.<BR><BR>Erster Widerspruch</P><P>Außerdem muss bei der Deutschen Telekom Widerspruch gegen die Rechnung eingelegt werden. Dies muss schriftlich geschehen an die Adresse, die oben auf der Telefonrechnung steht, oder an die Gratis-Faxnummer 0800 / 330 10 05. Bei der Begründung des Widerspruchs kommt es auf drei Merkmale unseriöser Anbieter an:<BR> Dem Nutzer war nicht bewusst, dass eine Verbindung ins Internet aufgebaut wird.<BR> Er wurde nicht über die anfallenden Kosten informiert.<BR> Es ist keine Dienstleistung - abgesehen von der reinen Internet-Einwahl - erbracht worden, die einen höheren Tarif rechtfertigt.<BR><BR>Zweiter Widerspruch</P><P>Mit der Klärung des strittigen Sachverhalts hat die Telekom jedoch meist nichts zu tun. In der Regel haben Anbieter von Dialern die teuren Nummern bei anderen Netzbetreibern gemietet, deren Gebühren lediglich mit auf der Telekom-Rechnung erscheinen. "Bei uns in der Verbraucherzentrale Bayern handelt es sich in den meisten Fällen um die Firma Talkline", berichtet Saller. </P><P>Der Netzbetreiber zieht üblicherweise für den Dialer-Anbieter die Gebühren ein und schickt deshalb eine Rechnung. In diesem Fall muss erneut der Widerspruch eingelegt werden. "Man muss damit rechnen, dass die Unternehmen versuchen, mit allem Nachdruck ihre Forderung einzutreiben", erklärt der Verbraucher-Jurist. Dazu können Mahnungen zählen oder massiv formulierte Schreiben von Inkasso-Büros sowie Anwaltskanzleien.<BR><BR>Gerichts-Entscheid</P><P>Der Verbraucher kann sich im Streit mit den Gebühreneintreibern auf die jüngste Rechtsprechung berufen. Nach einer Entscheidung des Landgerichts Nürnberg-Fürth muss der Anbieter nachweisen, dass mit dem Nutzer ein Vertrag über eine kostenpflichtige Dienstleistung geschlossen wurde, dass auf die Kosten hingewiesen und die Dienstleistung erbracht wurde (Aktenzeichen: 11 S 8162/02).<BR><BR>Beweise sichern</P><P>Um im Streit um Dialer-Gebühren gute Karten zu haben, sollten Geschädigte möglichst genau Beweise sammeln. Dazu gehört, das Einwahlprogramm auf CD oder Diskette zu speichern und die E-Mail, Windows-Nachricht oder Internetseite, die zum Dialer gelockt hat, zu sichern.<BR><BR>PC säubern</P><P>Sind die Beweise gesichert, kann die Reinigung des PCs beginnen. Einige Dialer speichern sich in verschiedene Verzeichnisse und sind schwer zu entdecken. Hierbei helfen Sicherheits-Programme, die etwa auf der Seite www.dialerschutz.de abrufbar sind. <BR><BR>Dort finden sich auch Schutzsysteme, die zukünftige Einwahlen von Dialern verhindern.<BR><BR>Weitere Tipps im Internet: www.dialerschutz.de<BR><BR></P>

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