"Die Alternative ist Wasserstoff"

Interview: - Deutsche Automobilhersteller wollen in der Klimadebatte aus der Defensive heraus. Wir sprachen mit BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger über Mobilität, Umweltschutz, Hybridtechnik und das Auto der Zukunft.

In der öffentlichen Debatte zum Thema Klimawandel haben die Japaner mit ihren Hybrid-Motoren erheblich Image-Punkte gesammelt, die deutschen Autobauer standen im Bild der Öffentlichkeit schlecht da. Haben Sie die falschen Autos entwickelt?

Wir haben unsere Entwicklung seit langem darauf ausgerichtet, sehr effiziente und dynamische Fahrzeuge zu bauen. Unsere Strategie dazu heißt Effizienz und Dynamik. Das scheinen auf den ersten Blick zwei sich widersprechende Ziele zu sein: auf der einen Seite Fahrdynamik, auf der anderen Seite möglichst niedriger Verbrauch. Wir lösen diesen Widerspruch auf.

Wo fängt man damit an?

Da ist zunächst der Motor als Antrieb für das Fahrzeug der zentrale Punkt. Wir setzen sowohl in der Diesel- als auch in der Benzintechnologie darauf, die Motoren so sparsam wie möglich zu machen. Bei den Benzinmotoren haben wir mit "High Precision Injection" die Magerverbrennung eingeführt, um dem Benzinmotor quasi die Sparsamkeit des Diesels anzuerziehen. Auch beim Diesel haben wir die Wirkungsgrade nochmals gesteigert.

Aber reicht das schon aus?

Es gehören weitere Komponenten dazu. So betrachten wir alle Energieflüsse im Fahrzeug. Energie wird nicht nur zum Fahren, sondern auch für Nebenantriebe, wie die Lenkung oder die Wasserpumpe benötigt. Diese Antriebe haben wir elektrifiziert, so dass sie nur dann Energie benötigen, wenn sie gebraucht werden. Zum Beispiel wird die Lenkung nur noch mit Energie versorgt, wenn man tatsächlich lenkt.

Hybridfahrzeuge nutzen erfolgreich die Bremsenergie. Warum tun Sie das nicht?

Auch das tun wir. Wir gewinnen Bremsenergie zurück, durch Aufladung der Batterie im Schubbetrieb, wenn der Fahrer vom Gas geht, wird das System geladen. Ein weiterer Baustein ist die Auto-Start-Stopp-Funktion: Der Motor schaltet an der roten Ampel ab, bis der Fahrer die Kupplung tritt. Dann springt der Motor wieder an. Das alles sind Elemente eines Hybrid-Baukastens. Damit haben wir die Verbräuche um rund 20 Prozent gesenkt, obwohl wir gleichzeitig die Motorleistung zum Teil erhöht haben.

Ab wann ist das zu kaufen?

Unser Ziel ist: Ein Drittel der BMW-Modell-Palette 2008 wird einen CO2-Ausstoß von unter 140 Gramm pro Kilometer haben.

Die CSU will bis 2020 nur noch Neufahrzeuge ohne konventionellen Verbrennungsmotor zulassen. Ist das eine realistische Vision?

Langfristig haben auch wir eine Vision: Keine fossilen Brennstoffe mehr im Motor. Hier sind sich die Experten einig: Die Alternative ist Wasserstoff, der über geothermische oder solarthermische Energie regenerativ gewonnen werden kann. Wir haben jetzt eine Kleinserie mit rund einhundert Fahrzeugen aufgebaut, mit der wir mit Wasserstoff im Verbrennungsmotor emissionsfrei fahren können. Da es noch keine Tankstellen-Infrastruktur für Wasserstoff gibt, kann der BMW H7 zusätzlich mit Benzin betrieben werden, falls keine Wasserstoff-Tankstelle zur Verfügung steht

Sie haben weniger Platz im Kofferraum...

Ja, weil wir zwei Tanksysteme unterbringen müssen.

Gegenwärtig ist Wasserstoff ja auch noch gar nicht so klimafreundlich, weil er aus Erdgas gewonnen wird. Wann wird eine umweltfreundliche Wasserstoff-Produktion technisch möglich sein?

Technisch ist das heute schon möglich. Wenn Sie sehen, was wir an geothermischer und solarthermischer Energie zur Verfügung haben, würde das von der Menge her ausreichen, um den Verkehr mit Wasserstoff zu versorgen. Aber hier kommt die Ökonomie ins Spiel. Wasser und Energie sind vorhanden. Es fehlt die Verbindung zu den geo- und solarthermischen Kraftwerken, um ihn herzustellen.

Ein wichtiges Einsparpotenzial für Energie liegt im Gewicht der Fahrzeuge. Was ist da noch möglich?

Grundsätzlich versuchen wir, die Gewichtsspirale zu durchbrechen. Ein Ansatz ist der Einsatz von Aluminium. Wir haben mit der aktuellen 5er-Generation erstmals in einer Großserie den gesamten Vorderwagen in Aluminiumbauweise erstellt und den Rest in der konventionellen Schalenbauweise mit Stahlblechsorten. So ist es gelungen, die Gewichtsspirale erstmals zu durchbrechen. Auch der neue X5 ist leichter, wenn auch nur um wenige Kilogramm. Allerdings bei gleichzeitiger Vergrößerung des Fahrzeugs. Dieser Entwicklung sind aber durch Verbraucherwünsche und gesetzliche Vorgaben Grenzen gesetzt: Die Sicherheitsanforderungen und die Crashtests.

Glauben Sie, dass der Trend zu diesen großen Autos wie X5 noch länger anhält?

Grundsätzlich denke ich, dass sich das Fahrzeugwachstum verlangsamt.

In einem BMW steckt mittlerweile mehr Elektronik als in einer Saturn-Mondrakete.

Entscheidend ist, dass die Elektronik nicht zur Belastung wird, sondern eine Hilfestellung für den Fahrer ist. Denken Sie an Navigationssysteme, bei denen Sie über Spracheingabe Ziele während der Fahrt ändern können.

Zum Thema Hybrid. Gehen Sie andere Wege als zum Beispiel Toyota?

50 Prozent der Vollhybrid-Technik ist bei uns schon serienmäßig zu haben. Was uns noch fehlt, ist das elektrische Fahren. Das bietet die Möglichkeit, weitere Energie zu regenerieren und den Verbrennungsmotor teilweise abzuschalten. Was dem entgegenläuft, ist der Aufwand und der Mehrpreis. Wir werden aber bis zum Ende des Jahrzehnts einen Vollhybriden auf die Straße bringen.

Ein Blick in die fernere Zukunft. Wie sehen unsere Autos in 20, 30 Jahren aus?

Wir werden einen erheblichen Teil an Wasserstoff-Autos im Verkehr sehen, mit einem Wasserstoff-Verbrennungsmotor, aber auch mit gewissen Hybridisierungskomponenten. Vor allem Autos mit hohem Stromverbrauch im Stand könnten über eine Brennstoffzelle verfügen. Wir werden auch eine Zunahme von Fahrerassistenzsystemen haben, die dann zum Beispiel Spurhaltung durchführen können. Abstandsregelsystem und Tempomat werden gekoppelt sein. Auch die Kollisionsvermeidung über Radarsysteme. Wir könnten einen Quantensprung beim Gewicht erzielen, wenn wir sicher in der Lage wären, Unfälle zu vermeiden. Dann könnte man auf eine Knautschzone und Airbags verzichten.

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