"Die großen Teile machen wir"

- München - Der voll besetzte Airbus A340 visiert die Landebahn an und rauscht über den Asphalt. Bremsen ohne die passenden Landeklappen würde jetzt ziemlich schwierig werden. Dank der GKN-Aerospace kommt die Maschine wie geplant zum Stehen. Die Firma liefert die moderne Kunststofftechnik für Landeklappen und mehr: Hubschrauber und sogar Satelliten fliegen mit den Bauteilen aus Neuaubing.

<P>"Das ist High-Tech aus Bayern", sagt Vertriebsleiter Hubertus Zoth nicht ganz ohne Stolz. Beim Betriebsrundgang beeindruckt allein schon die vollklimatisierte Werkshalle: Mit 9600 Quadratmetern ist sie die fünftgrößte Fertigungshalle für die Verarbeitung von faserverstärkten Werkstoffen in Europa. Der Rohstoff lagert ein Stockwerk tiefer: Der CFK-Kunststoff mit den Hauptbestandteilen Kohlenstofffasern und Harz. Für die so genannte Composit-Bauweise verknüpfen vollautomatische Wickelmaschinen die formbaren CFK-Matten je nach Verwendungszweck zur benötigten Struktur. Dann greifen einzelne Teams zu und formen den Kunststoff zu Landeklappen, Spoilern, Ruderschalen und Klimaanlagen für Airbus-Maschinen, Bauteilen für Hubschrauber oder Solargeneratorenpanels für Satelliten.<BR><BR>"Kleine Teile können alle, die großen machen wir", sagt Geschäftsführer Klaus Elmer. Dank guter Betriebsmittelausstattung gehöre der Standort Neuaubing mit seinen 2000 Mitarbeitern in Sachen Luftfahrtzulieferung zu den größten Europas. 38 Millionen Euro setzte man 2003 um, in Zukunft will man mehr. "Der Composit-Bau ist stark am Steigen, da wollen wir partizipieren", sagt Elmer. 20 Prozent mehr Umsatz seien drin.<BR><BR>Auf den ersten Blick kann der Laie mit den in Neuaubing produzierten Teilen nur wenig anfangen. Doch an den Info-Wänden, die für jedes Team in der Werkshalle stehen, hängen nicht nur Arbeitspläne, sondern auch Grafiken von Airbus-Maschinen, Hubschraubern oder Satelliten. Die Neuaubinger Bauteile sind markiert. Ein Team etwa kümmert sich um die A380 RTM-Teile, die als Lagerung für die Seitenruder-Anlenkung dienen. "Die sind etwas Besonderes", sagt Zoth. Die GKN Aerospace stellt diese Bauteile erstmals aus CFK-Kunststoff her. "Wir machen hier eben auch Weiterentwicklungen." </P><P>Ein paar Meter weiter wird für EADS-Eurocopter gearbeitet. Hier entstehen Kunststoffteile für Hubschrauber. Auf der anderen Seite werkelt man an Panels, dem Grundgerüst für Solargeneratoren an Satelliten. Vorsichtig transportieren die Teams ihre fertigen Stücke an das andere Ende der Halle. Dort stehen neben einer überdimensionalen Fräse fünf so genannte Autoklaven, riesige Öfen für den Härtungsprozess. Bevor die fertigen Teile das Werk verlassen, müssen sie durch die Qualitätsprüfung. Nur was den internationalen Standards genügt, verlässt Neuaubing. Mit Röntgenstrahlen, Ultraschall und Messungen werden die einzelnen Bauteile überprüft.<BR><BR>Die Geschichte des High-Tech-Standortes Neuaubing geht bis in das Jahr 1934 zurück. Damals wurde die "Leichtkonstruktion München" gegründet. Später gehörte das Werk zu Dornier, ab 1991 zu Airbus. 1995 machte man sich selbstständig, 1997 übernahm der GKN-Konzern die Führung. Die CFK-Verbundtechnik ist bereits seit 1980 im Einsatz. Unter anderem wurde dort schon die Nutzlastverkleidung für die Ariane-5-Rakete gefertigt und die Klimaanlage für das Labormodul Columbus der Raumstation ISS hergestellt.<BR><BR></P>

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