"Die Hütte brennt": Druck auf Chef der Deutschen Bank wächst

- Frankfurt - Einen Tag nach dem Mannesmann-Urteil mehren sich in Politik und Wirtschaft die Forderungen nach einem Rücktritt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Es wird ein dauerhafter Schaden für die größte heimische Bank befürchtet.

"Die Hütte brennt, und der Image-Schaden ist sehr groß", sagte die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel. "Ich finde, der Aufsichtsrat ist jetzt gefragt." Der CDU-Finanzpolitiker Otto Bernhardt sagte, der Druck auf Ackermann werde zunehmen: "Die Frage wird sein: Wie lange hält die Bank das ohne Schaden aus?"

Der Bundesgerichtshof hatte den Freispruch Ackermanns und anderer Angeklagter im Mannesmann-Prozess aufgehoben. Das Verfahren wird nun erneut aufgerollt. Der Aufsichtsrat stellte sich hinter den Vorstandssprecher, obwohl der Chef des Kontrollgremiums, Rolf Breuer, sich zuvor bereits zu einer möglichen Nachfolgersuche geäußert hatte.

Nach Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers Josef Hickel ist der Chef der größten deutschen Bank nicht mehr zu halten. Es gebe "eine tiefe Krise bei der Deutschen Bank durch Josef Ackermann", sagte Hickel. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker, sprach sich für eine "vernünftige Nachfolgeregelung" aus. In Bankenkreisen zirkulieren für den Posten die unterschiedlichsten Namen, einen konkreten Kandidaten gibt es bisher nicht.

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) mahnte unterdessen eine neue Debatte über die Verantwortung von Managern an. Er sagte, das Urteil des Bundesgerichtshofs sei "eine öffentliche Aufforderung, über die Unternehmenskultur und die Unternehmermoral in diesem Lande neu zu diskutieren". Ziel müsse eine Verhaltensänderung der Manager sein.

Der SPD-Politiker betonte, es dürfe nicht sein, dass die Höhe von Abfindungen in keinem Verhältnis zur Leistung stehe. Daher müsse über einen Kodex oder aktienrechtliche Vorschriften geredet werden, in denen dann auch "eine Relation von Einkommen und Abfindungshöhe zu den Leistungen, zum Unternehmenserfolg formuliert" sei. Außerdem müssten die Rechte der Aktionäre bei der Entscheidung über entsprechende Zahlungen gestärkt werden.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Wend, sagte: "Ackermanns Festhalten an seiner Funktion ist brisant." Durch die Aufhebung der Freisprüche würden nun "alle Verantwortungsträger gemahnt, die Gesellschaft nicht als Selbstbedienungsladen zu verstehen". Das Urteil "war Gold wert für die Weiterentwicklung der moralischen Maßstäbe".

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