"Die Sparer müssen sich nicht sorgen"

München - Die Finanzkrise und ihre Folgen treffen in Deutschland bisher vor allem private Kreditinstitute und die Landesbanken. Doch auch einige der 320 genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern kommen den Turbulenzen nicht mehr aus, wie Stephan Götzl im Gespräch mit unserer Zeitung sagt.

Von großen Schäden könne aber keine Rede sein. Der Präsident des Bayerischen Genossenschaftsverbands betont: "Für die Kundengelder besteht absolut keine Gefahr."

-Herr Götzl, letzte Woche hat es in der US-Finanzbranche ordentlich gekracht. In Deutschland stellen sich nun viele Sparer die Frage, wie gut ihr Geld eigentlich bei den heimischen Banken aufgehoben ist. Sind Sorgen angebracht?

Nein, die Sparer in Deutschland müssen sich nicht sorgen. Die Einlagensicherungssysteme der drei Säulen - der Genossenschaftsbanken, der Sparkassen und der Privatbanken - sind stabil. Wenn Verbraucher zu ausländischen Banken gehen, sollten sie derzeit allerdings besonders genau hinschauen. Teilweise sind Einlagen dort im Ernstfall nur zu 90 Prozent bis zu einer maximalen Höhe von 20 000 Euro geschützt.

-Die Volks- und Raiffeisenbanken haben stets betont, dass sie von der Finanzkrise nicht betroffen sind. Bleibt es dabei oder sitzen einige Institute etwa auch auf Anleihen der Pleite-Bank Lehman Brothers?

Wir haben in keiner Weise in Subprime-Kredite investiert, also ungenügend bis gar nicht besicherte Darlehen für Hauskäufer in den USA. Mittlerweile ist die Krise aber so weit fortgeschritten, dass auch vermeintlich solide Wertpapiere, vor allem die von Banken und Versicherungen, massiv an Wert verloren haben. Dem kann sich auch keine Genossenschaftsbank entziehen. Und ja, darunter sind vereinzelt auch Lehman-Papiere. Insofern sind wir mittlerweile von der Krise betroffen.

-Von Risiken welcher Größenordnung sprechen Sie?

Wir hatten zum Jahresauftakt vorausgesagt, dass der Risikoaufwand der bayerischen Genossenschaftsbanken heuer von durchschnittlich 0,04 auf 0,06 Prozent der Bilanzsumme ansteigen wird. Dazu stehen wir nach wie vor.

-Die Privatbanken-Landschaft hat sich mit den Zusammenschlüssen von Dresdner Bank und Commerzbank sowie Deutsche Bank und Postbank auf einen Schlag massiv gewandelt. Beide Branchenriesen wollen nun verstärkt am Privatkundenmarkt angreifen. Fürchten Sie Konkurrenz in Ihrem Brot- und Buttergeschäft?

Es ist schon seltsam. Vor ein paar Jahren hat die Branche übertrieben stark auf das Investmentbanking gesetzt, jetzt will plötzlich jeder Einlagen einwerben. Das nehmen wir natürlich ernst. Aber um anzugreifen, muss man präsent sein. Die Volks- und Raiffeisenbanken unterhalten in Bayern 3200 besetzte Geschäftsstellen und beschäftigen knapp 16 000 Mitarbeiter im Vertrieb. Das muss uns erst mal einer nachmachen.

-Fühlen sich die Genossenschaftsbanken mit ihrem klassischen Geschäftsansatz bestätigt, wenn sie sehen, wie es den Investmentbankern nass reingeht?

Ich denke schon, dass wir mit unserem kundennahen Konzept, von dem wir nie abgewichen sind, richtig liegen. Sonst würde es derzeit keine so starke Rückbesinnung auf das klassische Universalbankgeschäft geben. Immerhin konnten wir trotz oder vielleicht sogar wegen der Finanzkrise neue Kunden gewinnen.

-Allerdings scheint über den Kreditgenossenschaften nicht nur die Sonne, viele kämpfen mit Ertragsproblemen.

Das stimmt. Wir haben es mit einer Verschärfung des Wettbewerbs zu tun und müssen unsere Prozesse deshalb entsprechend anpassen, um bestehen zu können. Unser Vorteil ist aber, dass wir uns nicht über den Kapitalmarkt refinanzieren und unsere Geschäfte nicht derart ergebnisorientiert treiben müssen wie die Privaten. Unsere Banken können auch mit niedrigeren Renditen leben - die sich aber auch sehen lassen können.

-Wird es weitere Zusammenschlüsse der Genossenschaftsbanken in Bayern geben?

Es wird in den nächsten zehn Jahren eine weitere Reduzierung der Institute geben. Das betrifft Banken, die sich in einem Gebiet überschneiden und dort Synergien heben wollen. Zudem wird es zunehmend wichtiger, bei der Produktion von Bankprodukten eine bestimmte Größenordnung zu erreichen. Eventuelle Zusammenschlüsse bedeuten aber nicht, dass wir Zweigstellen aufgeben.

-Die beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute, die DZ Bank in Frankfurt und die WGZ Bank in Düsseldorf, verhandeln wieder einmal über eine Hochzeit. Daraus würde eines der größten deutschen Kreditinstitute hervorgehen. Glauben Sie, dass die Fusion im vierten Anlauf gelingt?

Ich bin zuversichtlich, dass es klappt. Die Tatsache, dass wir zwei Zentralbanken und immer noch zwei Rechenzentralen haben, nützt unseren Banken im täglichen Geschehen gar nichts. Im Gegenteil, wir produzieren damit teurer. Diese Potenziale müssen wir angesichts der schwierigen Wettbewerbssituation heben.

-Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sucht bis zum Jahresende einen neuen Präsidenten. Ihr Name fällt immer wieder, wenn über Nachfolger spekuliert wird. Wären Sie bereit nach Berlin zu gehen?

Sagen wir mal so: Wenn ich gerufen werde, stelle ich mich bewusst in den Dienst der Organisation. Sollte ich in München bleiben, wächst mir deswegen aber kein einziges graues Haar. Schließlich arbeite ich sehr gerne für die bayerische Genossenschaftsorganisation.

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