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Diplomatie im Münchner Pressehaus: Verleger Dirk Ippen (5.v.l) informierte Wirtschaftsattachés über die Rolle der Zeitung in einem veränderten Medienmarkt.

Wirtschaftsattaché-Club Bayern im Pressehaus

Ippen: „Die Zeitung wird bleiben“

München – Der Wirtschaftsattaché-Club Bayern war zu Gast bei Dirk Ippen, dem Verleger von Münchner Merkur und tz. Zahlreiche Diplomaten nutzten die Gelegenheit und diskutierten eifrig über die hiesigen Medien.

Mehmet Baykal kam mit großen Erwartungen in das Pressehaus im Zentrum der Landeshauptstadt. „Mich interessiert, wie ein Unternehmer auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld Erfolg haben kann“, sagte der türkische Handelsattaché. Auch wolle er wissen, wie es um die Zukunft deutscher Medien bestellt sei. Der Wirtschaftsattaché-Club Bayern war gestern zu Gast bei Dirk Ippen, dem Verleger von Münchner Merkur und tz. Zahlreiche Diplomaten nutzten die Gelegenheit und diskutierten eifrig über die hiesigen Medien.

Ippen betonte, dass er nach wie vor an die Zukunft der gedruckten Zeitung glaube. „Die Zeitung wird bleiben.“ In Deutschland gebe es aktuell 1500 Lokalausgaben. „Für viele Leser gehört der Kaffee in der einen und die Zeitung in der anderen Hand einfach dazu.“ Es gebe ja auch heute noch Kinos, obwohl sie zum Anschauen von Filmen längst nicht mehr technisch erforderlich seien.

Wichtig für den Erfolg einer Zeitung sei, so Ippen, dass eine Zeitung ihrem Markenkern immer treu bleibe: „Ein BMW muss ja auch ein BMW bleiben.“ Aus Sicht des Unternehmers und Publizisten biete „Kleinteiligkeit“ eine Chance, auch künftig erfolgreich zu sein. „Die Zeitung muss vor Ort präsent sein“, sagte er.

Tatsächlich sind viele Bayern der Zeitung insbesondere im ländlichen Raum bislang treu geblieben – der Auflagenschwund aller Blätter im Freistaat fiel zuletzt spürbar geringer aus als in vielen anderen Bundesländern. Die Auflage dieser Zeitung ist im Vergleich zu zahlreichen anderen Blättern relativ stabil.

„München hat mehr Zeitungsleser als Berlin“, erläuterte Ippen dem erstaunten Publikum. Für den Verleger ist aber auch klar: Die Digitalisierung sei eine „besondere Herausforderung“. Wenn er mit der S-Bahn fahre, sehe er viele junge Leute, die Smartphones nutzten. „Die Zeitung hat bei jungen Lesern an Bedeutung verloren“, sagte er. Die kritische Presse ist für Ippen jedoch „ein Grundbestandteil unserer Demokratie“.

Kanadas Konsulin für Wirtschaftsangelegenheiten Terrie Romano warf einen warnenden Blick in den angelsächsischen Raum: Dort seien die Medien in ihrer Summe weit „weniger seriös“ als in Deutschland.

Tobias Lill

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