Dienstreise zu den Meisterköchen

- Eglfing - Der Termin im Januar im eleganten Lyon hatte Frank Dittmann aus dem oberbayerischen Dorf Eglfing sehr gut gefallen. Der Geschäftsführer der Firma Convotherm weilte zur Koch-Weltmeisterschaft um den renommierten "Bocuse d'Or" - und der Unternehmer genoss es. Schließlich hatte der Hersteller von Heißluftdämpfern das Koch-Ereignis kräftig gesponsort und außerdem holte der deutsche Vertreter und Nutzer der Pfaffenwinkel-Geräte, Claus Weitbrecht aus dem Schwarzwald, Bronze.

<P>Nicht nur Jungkoch Weitbrechts norwegische Fjord-Forelle gelang prächtig, auch die Rezeptur bei Convotherm scheint zu stimmen. Am 1. Juli 1976 begann die Erfolgsstory. Damals fingen Frank Dittmann und Werner Schwarzbäcker mit fünf Mitarbeitern in einer ehemaligen Molkerei in Wolfratshausen an, Auftau- und Heißluftgeräte zu bauen. Umgerechnet 4000 Euro Jahresumsatz wies die erste Bilanz aus. </P><P>Der Durchbruch gelang sechs Jahre später mit einem vollelektronisch gesteuerten Heißluftdämpfer. Die Betriebsstätte wurde zu eng. Vor 20 Jahren zog die Firma nach Eglfing um: Kompagnon Schwarzbäcker hatte familiäre Bindungen in das 900-Seelen-Dorf, außerdem gab es den Baugrund günstig.<BR><BR>Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 230 Menschen, weist einen Jahresumsatz von rund 33 Millionen Euro aus und verkauft seine Produkte in über 50 Länder. Die Geräte stehen in Luxushotels, Restaurants, Kongresszentren, Krankenhäusern und Großkantinen wie bei VW in Wolfsburg. Selbst der neue Luxusliner "Queen Mary II" wird in St. Nazaire mit Eglfinger Dämpfern ausgerüstet. Aus dem Kleinbetrieb ist ein Global Player mit Lokalkolorit geworden. Der Preis dafür: 1998 wurde Convotherm vom englischen Konzern Enodis, geschluckt. </P><P>Das Angebot der Londoner sei nicht auszuschlagen gewesen, sagt Dittmann heute. "Das war eine sehr freundliche Übernahme." Es war keine leichte Entscheidung. Für einen Mittelständler sei es schwer, so der 57-jährige Geschäftsführer, "die Strukturen der Alleinherrschaft aufzugeben". Auch um ein Zeichen für die Mitarbeiter zu setzten, blieben die deutschen Chefs Minderheitsgesellschafter.<BR><BR>Seitdem hat sich viel verändert. Aus dem Doppel wurde ein Einzel: Schwarzbäcker hatte bei der Einweihung der neuen Produktionsstätte bewegt seinen Rückzug erklärt. In Eglfing wurde 2001 eine moderne Halle hochgezogen, fast sieben Millionen Euro investierte der Konzern in seine Tochter. Zur Zeit wird bei Enodis wieder diskutiert: Neue Maschinen sollen angeschafft werden. Dies ist für Dittmann ein "klares Zeichen" für den Standort und schaffe Vertrauen bei den Mitarbeitern.<BR><BR>Die "soziale Komponente" bezeichnet der Unternehmer als Bestandteil der Firmenphilosophie, neben einer gesunden ökonomischen Basis und strenger ökologischer Produktionsrichtlinien. </P><P>Deshalb gebe es einen "starken Betriebsrat", der auch einverstanden war mit einem flexiblen Arbeitszeitmodell - denn nicht immer laufen die Geschäfte gleich gut. Die Wirtschaftskrise trifft den Betrieb laut Dittmann zwar nicht ("wir haben Geräte zur Rationalisierung in den Küchen"), dafür aber alles, "was die Reisetätigkeit der Menschen verhindert". Terroranschläge oder SARS in Asien, das spürten die Eglfinger.<BR><BR>Mittlerweile hat sich die Reiseangst aber gelegt, die Branche zieht wieder an. Und so lässt sich Dittmann die Geschäfte schmecken. Nur im Restaurant "Talblick" von Meisterkoch Weitbrecht bei Calw hat er noch nicht gespeist. Dafür aber genoss der Unternehmer dessen Künste kürzlich in einem Weinberg, bei einer Kochkunstshow der Mosel. Genutzt wurden dabei - was sonst? - Geräte aus Eglfing.</P><P> </P>

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