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Die "Filiale der Zukunft" in Unterhaching.

Erstarkter Discounter-Riese

Diese Aldi-Revolution zahlt sich jetzt aus

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München - Aldi hat einen Strategiewechsel hinter sich und der hat sich offenbar gelohnt. Billig ist längst nicht mehr die einzige Devise des Supermarkt-Giganten.

Günstig soll es sein, aber nun eben auch edel. Aldi hat zur rechten Zeit sein Konzept verändert. Der Discounter hat sein Ramsch-Image aufpoliert, hin zu ein bisschen mehr Luxus. Labello, Wagner-Pizza oder Lenor stehen nun im Sortiment, neben all den Eigenmarken, mit denen Aldi früher das große Geschäft machte.

Im Mai stellte Aldi in Unterhaching seine erste „Filiale der Zukunft“ vor, viele andere folgten. Neu sind dabei aber nicht nur die Markenprodukte, sondern vor allem das freundlichere Ambiente. Es ist das Konzept, das die am Ende geglaubte Supermarktkette wieder groß machen könnte. Lidl und Netto hatten Aldi das Leben zuletzt schwer gemacht, dazu setzten auch Edeka und Rewe eigene Maßstäbe. Längst haben sie den Wandel in einen Erlebnissupermarkt hinter sich - und günstige Eigenmarken haben auch sie. Damit konnte Aldi lange nicht mehr mithalten.

Der Wandel bei Lebensmitteln, Körperpflege oder Waschpulver auf etablierte Markenware zu setzen, hat sich offenbar gelohnt. Mehr sogar, als alle Änderungen seit der Gründung vor 70 Jahren. Das jedenfalls besagt die Analyse des Nürnberger Marktforschers GfK. „Aldi macht mit Marken Beute“, umschreibt GfK-Experte Wolfgang Adlwarth den Effekt laut „Welt“.

Zwischen 2013 und 2015 sank der Anteil am deutschen Lebensmittelhandel von knapp 44 auf nur noch 42 Prozent. Seit 2015 sollten Marken den Trend drehen. Versuche im Ruhrpott aber scheiterten. Belohnt wird Aldi nun anscheinend verspätet für den Mut im Vorjahr. Experte Adlwarth hat sich am Beispiel von Aldi Süd angeschaut, welche Auswirkungen die Aufnahme der zwischen April und Juli vergangenen Jahres eingelisteten Markenprodukte in die rund 2400 deutschen Filialen auf Aldi Süd, Wettbewerber und Markenhersteller seither hat. Sein Fazit: Der „Discount-Löwe“ sei zeitweise träge geworden, habe nun aber „etwas abgespeckt und sein Jagdverhalten geändert – seither macht Aldi wieder Beute“.

Aldi: Wandel gelungen

Die Fakten zeichnen ein eindeutiges Bild: Der Umsatz in den Produktgruppen mit frisch aufgenommenen Marken war 2015 gegenüber dem Vorjahr um mehr als ein Drittel hochgeschnellt. Ein gutes Ergebnis, auch wenn der Umsatz in diesem Jahr wieder etwas zurückgegangen ist. Laut GfK sind die Erlöse derzeit immer noch um 30 Prozent höher als 2014. Der Anteil der Marken sei 2016 sogar auf 40 Prozent gestiegen, im Vorjahr waren es noch rund 35 Prozent gewesen. Adlwarth ist sicher: „Das zeigt, dass es sich nicht um ein Strohfeuer handelt, sondern dass sowohl die Strategie von Aldi als auch die Erwartungen der Markenhersteller im Wesentlichen aufgegangen sind.“ 

Ein Ergebnis, mit dem Anfang 2015 längst nicht alle gerechnet hatten. Befürchtungen, dass die bei Aldi vertretenen Marken ihr Preisniveau im Markt selbst kaputt machen würden, bestätigten sich nicht. Jedoch lässt sich anhand der Studie schon sagen, dass der Umsatzanteil der Aldi-Handelsmarken im Vergleich zum Jahr 2014 zurückgegangen ist - um 22 Prozent. Allerdings meint Adlwarth: „Das war in gewisser Weise zu erwarten und ist für Aldi durchaus verschmerzbar.“

Der Riese ist offenbar wieder zum Leben erweckt, auch wenn die Zuwächse weiterhin geringer sind, als die der Konkurrenz.

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