Diesel kostet soviel wie Super

München - Der Preisabstand hat sich immer weiter verringert. Nun ist es so weit: Diesel kostet in Deutschland erstmals so viel wie Superbenzin. Eine Entspannung am Markt ist nicht in Sicht.

Der Diesel als Sparbüchse war einmal: Höhere Anschaffungskosten, Versicherungsbeiträge sowie Kfz-Steuer, und nun kostet Diesel so viel wie Benzin. Seit Mittwoch müssen die Autofahrer im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen rund 1,52 Euro je Liter für alle Sorten bezahlen. Als Diesel-Vorteil bleibt nur der geringere Verbrauch.

Ursache seien die hohen Preise am Ölmarkt in Rotterdam sagen die Sprecher der Ölwirtschaft. Dort kostete eine Tonne Benzin 1088 Dollar, eine Tonne Diesel dagegen 1290 Dollar. Der Unterschied habe den Steuervorteil von Diesel von rund 22 Cent je Liter aufgezehrt. Auch die Heizölpreise erreichten Rekordstände - im Schnitt waren für 100 Liter 94 Euro zu bezahlen.

Bereits im Dezember hatte der Dieselpreis in einigen Regionen den Benzinpreis überflügelt, doch war der Grund damals ein kurzfristiger Preiskampf beim Benzin. "Jetzt haben wir den Eindruck, dass sich diese Tendenz verfestigt", sagte Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV). Ursache sei die steigende Nachfrage auf den Weltmärkten. Offenbar kaufe China große Mengen Diesel vor den Olympischen Spielen, damit keine Engpässe beim Transport auftreten können. Von Experten wird auch die steigende Zahl von Diesel-Aggregaten zur Stromerzeugung in Afrika, Südamerika und Asien angeführt. Weltweit wächst die Nachfrage nach Diesel stärker als nach Benzin.

"Der Grund für die steigenden Preise ist eine Kombination aus hoher Nachfrage und der Unfähigkeit der Raffinerien, diese Nachfrage zu befriedigen", sagte der Herausgeber des Energie-Informationsdienstes EID, Heino Elfert. Die steigende Nachfrage sei seit Jahren bekannt, doch habe es die Mineralölwirtschaft versäumt, rechtzeitig zu reagieren und die notwendigen Konversionsanlagen zu bauen. Der MWV verweist dagegen auf die steigende Produktion von Mitteldestillaten, also Diesel, Heizöl und Kerosin. Rein technisch kann eine Raffinerie unter günstigsten Bedingungen maximal bis zu 50 Prozent Mitteldestillate aus dem Rohöl erzeugen; in Deutschland werden 43 Prozent erreicht.

Diesel wird an deutschen Tankstellen künftig dauerhaft teurer als Benzin und Super sein, sagte der Ölexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, der "WAZ". "Die ganze Welt fährt Diesel. Die Nachfrage steigt stärker als beim Benzin. Deshalb wird der Preis für Diesel auch in Deutschland dauerhaft über dem für Benzin liegen." Mit einer Entspannung ist nicht zu rechnen.

Die Rekordpreise werden sich auf die Preise von gebrauchten Dieselfahrzeugen auswirken. "Autokäufer werden bald Schnäppchen machen können", sagte Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics. Wegen finanzieller Nachteile würden Dieselautos an Wert verlieren.

Beim Autokauf müssen Verbraucher wieder nachrechnen. ob sich ein Diesel lohnt. Anschaffungspreis, jährliche Fahrleistung sowie die Kosten für Kfz-Steuer und Versicherung müssen dabei berücksichtigt werden. "Früher musste man die Rechnung gar nicht machen", sagte Margetts. Da sei der Diesel die günstigere Wahl gewesen. Das ist vorbei: Nur wenn ein vergleichbarer Benziner ausschließlich Super Plus verträgt oder der Wagen extrem viel gefahren wird, gehe unter den gegenwärtigen Umständen die Rechnung für den Diesel vielleicht noch auf. Darüber hinaus sollte ein Diesel sparsam und mit Rußfilter ausgestattet sein. Trotz des stärkeren Wertverlustes gebrauchter Diesel warnt der Experte vor Panikverkäufen. "Die Preise werden nicht von heute auf morgen in den Keller sacken." Es sei genügend Zeit, Alternativen durchzurechnen. "Ich würde nicht empfehlen, eine Kaufentscheidung vorzuziehen, nur um den alten Diesel loszuwerden."

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