+

Bericht veröffentlicht

Diesel-Skandal: Trickst Renault schon seit über 25 Jahren?

Paris - In der Diesel-Abgasaffäre hat eine französische Behörde schwere Vorwürfe gegen Renault erhoben: Seit über 25 Jahren soll das Unternehmen Strategien haben, um die Werte zu schönen.

In der Diesel-Abgasaffäre hat eine französische Behörde schwere Vorwürfe gegen den Autobauer Renault erhoben: Bei dem Konzern gebe es möglicherweise schon seit mehr als 25 Jahren Strategien, um bei Abgastests zu betrügen, heißt es in einem Bericht der Behörde für Wettbewerb, Verbraucher und Betrugsbekämpfung (DGCCRF), der am Mittwoch bekannt wurde. In die Affäre verstrickt sei die gesamte Führungsriege bis hoch zu Renault-Chef Carlos Ghosn.

Die dem französischen Wirtschaftsministerium untergeordnete Behörde wirft dem Autobauer die Erfindung einer Software vor, um "die Ergebnisse von Abgastests zu fälschen". Einige dieser Praktiken seien schon 1990 eingeführt worden, heißt es unter Berufung auf einen Ex-Mitarbeiter.

Die Ermittler führten laut der Zeitung Libération große Unterschiede zwischen den Abgaswerten bei Zulassungstests im Labor und unter Realbedingungen auf der Straße auf. Im Fall des Modells Renault Captur werde die Norm für CO2-Emissionen um 377 Prozent überschritten. „Diese Ergebnisse lassen die Installation einer betrügerischen Einrichtung vermuten, um Stickoxid-Emissionen unter den spezifischen Bedingungen der Zulassungstests zu reduzieren und so die ordnungsgemäßen Grenzwerte einzuhalten“, zitiert das Blatt.

Renault weist Vorwürfe zurück

Der Autobauer erklärte, dass er den Inhalt des Berichts nicht kenne. Renault habe nicht gegen europäische oder nationale Zulassungsregeln verstoßen, teilte das Unternehmen mit. „Die Fahrzeuge von Renault sind nicht mit Betrugssoftware für die Abgasreinigung ausgestattet.“ Die Anti-Betrugs-Behörde hatte ihre Erkenntnisse Ende vergangenen Jahres an die Staatsanwaltschaft übermittelt, seit Januar prüfen Ermittlungsrichter den Verdacht der Täuschung. Anlass für die Überprüfungen der Behörde war der VW-Abgasskandal.

Im Zuge des Diesel-Skandals bei Volkswagen hatte eine Expertenkommission in Frankreich Abgastests an zahlreichen Autos vorgenommen. Bei vielen Fahrzeugen wurde eine deutliche Überschreitung der zulässigen Grenzwerte festgestellt, unter anderem bei Renault-Autos. Renault hat stets beteuert, sich an französisches und europäisches Recht zu halten.

Wegen der Vorwürfe ermittelt bereits die französische Justiz gegen Renault. Im Januar übernahmen Untersuchungsrichter den Fall. In Deutschland hatte es zuletzt beim zu VW gehörigen Autobauer Audi größere Razzien in Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal gegeben.

AFP

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dax nimmt kleines Plus ins Wochenende
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat eine durchwachsene Woche mit einem kleinen Plus beendet. Das auf ein Rekordhoch gestiegene Ifo-Geschäftsklima stützte den Leitindex …
Dax nimmt kleines Plus ins Wochenende
Bahn-Aufsichtsratschef Felcht tritt Ende März zurück
Bei der Deutschen Bahn kommt die Führungsriege nicht zur Ruhe. Nach mehreren Beschlüssen zu Vorstandswechseln soll nun der Chefkontrolleur abtreten. Vorher hatte es …
Bahn-Aufsichtsratschef Felcht tritt Ende März zurück
Bahn-Aufsichtsratschef Felcht tritt Ende März zurück
Bei der Deutschen Bahn kommt die Führungsriege nicht zur Ruhe. Nach mehreren Beschlüssen zu Vorstandswechseln soll nun der Chefkontrolleur abtreten. Vorher hatte es …
Bahn-Aufsichtsratschef Felcht tritt Ende März zurück
Preisexplosion für Flugtickets: Kartellamt prüft Lufthansa
Seit der Air-Berlin-Pleite ist Fliegen innerhalb Deutschlands teurer geworden. Nach vielen Kundenbeschwerden nimmt das Bundeskartellamt die Preise der Lufthansa nun …
Preisexplosion für Flugtickets: Kartellamt prüft Lufthansa

Kommentare