Dieselruß: Die harte Front der Filterverweigerer bröckelt

- München - Jahrelang wollten die deutschen Autohersteller von Diesel-Rußfilter wenig wissen. BMW ist der erste, der nun einen Filter ankündigt, der die schädlichen Partikel aus den Abgasen der Selbstzündermotoren holt. Die Front der Filter-Verweigerer beginnt zu bröckeln.

<P>Eigentlich wollten die deutschen Hersteller das Problem anders in den Griff bekommen: Durch Veränderungen bei der Einspritztechnik und beim Verbrennungsvorgang, bei dem die schwarzen Teilchen entstehen. Deshalb wehrten sich die deutschen Hersteller massiv gegen die Filter. Doch die EU hat mit ihrer Abgasnorm EU4 strenge Grenzen auch für Rußpartikel vorgegeben, die derzeit ohne Filter nicht einzuhalten sind.<BR><BR>Die Lage bei BMW: Bei den kleinen Baureihen, also den künftigen 1er und 3er wird die EU4-Hürde auch ohne Filter geschafft. Bei den schwereren Modellen wird man, so ein Sprecher, "um den Filter nicht umhinkommen - zumindest nicht bis 2005." Da die EU4 Norm die Schadstoffe misst, die auf einer bestimmten Wegstrecke entstehen und schwerere Fahrzeuge naturgemäß den Motor mehr fordern, sind diese im Nachteil.<BR><BR>BMW-Konkurrent Audi ist bereits ein Stück weiter. Auch Dieselmotoren im A6 erfüllen nach eigenen Angaben bereits die neue Norm. Doch für den A8 müssen sich auch die Ingolstädter etwas einfallen lassen. Ein Sprecher kündigte eine entsprechende Neuerung für die Automesse IAA im September an. Ob es sich um einen Filter handelt oder etwas anderes, wollte er noch nicht sagen.<BR><BR>Noch zugeknöpfter ist man bei Mercedes. Doch auch in Sindelfingen sucht man nach Wegen, wie man die dort üblichen Zebrastreifen aus Carrara-Marmor (dank der Daimler-Gewerbesteuern) nicht mehr verrußt. Um 80 % habe man die Partikel ohnehin schon reduziert. Und man verspricht auch, EU4 einzuhalten. Wohl auch mit einem Filter. Wie die Konkurrenz aus Ingolstadt und München will man aber ohne Zusätze ("Additive") auskommen und eine wartungsfreie Lösung finden, bei der der Filter nicht regelmäßig ausgetauscht werden muss, und vor allem auch eine, die den Spritverbrauch nicht erhöht. </P><P>Das ist nämlich die zentrale Kritik an den Rußfiltern, die derzeit von Peugeot und Citroë¨n sowie im Fiat-Konzern und demnächst wohl auch bei Ford eingesetzt werden. Peugeot trägt die Kritik mit Fassung: Wirkungsgrad und Verbrauch werden durch den Filter nur um rund 1 % gesenkt, heißt es. Das Austausch-Intervall soll von derzeit 120 000 Kilometer auf 240 000 Kilometer erhöht werden. Das Additiv wird automatisch vor der Einspritzung zugesetzt. Dadurch wird erreicht, dass der Ruß im Filter bei relativ niedrigen Temperaturen von rund 450 Grad verbrennt (normalerweise bei 600 Grad). Bei BMW zumindest versucht man, die gleiche Wirkung durch ein katalytisch beschichtetes Filterelement zu erreichen.<BR><BR>In all diesen Fällen aber reicht die normale Temperatur der Abgase nicht aus, um den Ruß zu zersetzen. Deshalb muss auch die Verbrennungstemperatur erhöht werden, was dazu führt, dass mehr schädliche Stickoxide oder Kohlenwasserstoffe anfallen. Der Filter-Pionier Peugeot hat aus diesem Grund - anders als etwa Audi und VW - kein Diesel-Modell im Programm, das die strenge EU4 Norm erfüllt. Allerdings sind die ersten beiden Motoren, die dies schaffen werden, noch für dieses Jahr angekündigt. Der BMW-Filter kommt erst 2004 auf den Markt.</P>

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