Flaggen mit dem VW-Logo wehen vor dem Werk von Volkswagen Sachsen in Zwickau.
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Eine illegale Abschalteinrichtung von Volkswagen wurde zum Corpus Delicti.

Dieselgate – VW in der Kritik

Der VW-Dieselskandal – alle Infos rund um die Manipulation von Abgaswerten beim Autobauer aus Wolfsburg

Im September 2015 wurde bekannt, dass der Automobilkonzern Volkswagen eine verbotene Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung ihrer Diesel-Modelle einsetzte. Es folgte die wohl schwerste Krise in der Geschichte des Unternehmens.

  • Bereits 2005 soll die Entscheidung zum Einbau der Manipulationssoftware bei Volkswagen gefallen sein.
  • 2014 deckte ein US-amerikanisches Forschungsinstitut erhöhte Emissionswerte bei einigen VW-Modellen in den USA auf.
  • Dieselgate“ betraf Schätzungen zufolge weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge von VW, Audi und Skoda.

Wolfsburg – Der VW-Abgasskandal ist auch als Dieselgate oder Dieselskandal bekannt. Nachdem zunächst bekannt wurde, dass der Konzern in seine US-amerikanischen Dieselfahrzeuge eine seit 2013 verbotene Abschalteinrichtung einbaute, überschlugen sich die Ereignisse.

Volkswagen Dieselskandal: Was wird dem Konzern vorgeworfen?

Ein niedriger Kraftstoffverbrauch bei vorschriftsmäßigen Emissionswerten: Diese Ziele erreichte Volkswagen entgegen dem Werbeversprechen für „saubere“ Dieselmotoren in den USA nicht. Um 2006 entschied die Konzernspitze, das Steuergerät des Dieselmotors so zu programmieren, das es während eines Abgastests auf einen niedrigen Stickoxid-Ausstoß umgeschaltet wurde, um der Abgasnorm zu entsprechen. Im Standardbetrieb wurden weiterhin hohe Emissionen ausgestoßen. Die Abschalteinrichtung wurde weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen der Motorenreihe VW EA189 sowie in der EU und den USA in die Nachfolgereihe VW EA288 eingebaut.

Volkswagen Dieselskandal: So wurde die Manipulation aufgedeckt

Erste Auffälligkeiten in den Abgaswerten betroffener VW-Fahrzeuge wurden im Rahmen einer Studie des Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation und der Universität West Virginia bekannt. Volkswagen soll daraufhin mit dem Forschungsteam verhandelt haben.

Zeitgleich brachen die Fahrzeugverkäufe in den USA stark ein. Im Dezember 2014 startete der Konzern einen Rückruf, um die Abgaswerte von rund einer halben Million Fahrzeuge neu einzustellen. Im Mai 2015 stellten die US-amerikanischen Behörden fest, dass die Werte weiterhin über der erlaubten Abgasnorm lagen.

Bereits am 3. September 2015 soll VW die Manipulation der Abgaswerte vor der US-Umweltbehörde eingeräumt haben. Die Öffentlichkeit wurde jedoch nicht in Kenntnis gesetzt. Der 18. September 2015 sollte zu einer Zäsur im VW-Konzern werden: Die US-Umweltbehörde meldete, dass in Modellen der Baujahre 2009 bis 2015 Software zur Manipulation der Emissionskontrollsysteme integriert wurde. Der Autobauer gab daraufhin die Manipulation zu – der Dieselskandal nahm seinen Lauf.

Volkswagen Dieselskandal: Chronologie der Ereignisse

Nach Bekanntwerden der Manipulationen rollte eine Welle auf den Wolfsburger Konzern zu. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

  • 20. September: Martin Winterkorn, damaliger VW-Vorstandschef, verspricht eine umfassende Aufklärung unter seiner Federführung
  • 21. September: Die Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaates New York und das US-Justizministerium kündigen Ermittlungen an. Der Aktienkurs des Autobauers geht auf Talfahrt
  • 23. September: Rücktritt von Winterkorn
  • 25. September: Porsche-Chef Matthias Müller wird neuer Vorstandschef
  • 28. September: Volkswagen gibt Details zum Abgasskandal bekannt, darunter, in welchen Fahrzeugen die Abschalteinrichtung verwendet wurde

Volkswagen Dieselskandal: Rückrufaktionen

Am 6. Oktober 2015 gab Matthias Müller bekannt, dass im Januar 2016 eine Rückrufaktion der betroffenen Fahrzeuge beginnen solle. Neun Tage später zwang das Kraftfahrtbundesamt (KBA) den Volkswagen-Konzern zur Rücknahme von rund 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeugen in Deutschland. VW teilte daraufhin mit, den Rückruf auf ganz Europa auszuweiten. Betroffen waren 8,5 Millionen Fahrzeuge. In den USA sollten es rund 600.000 Autos sein. Erst im Juni 2016 wurden die Pläne konkreter. Im Juni 2016 erteilte das Kraftfahrtbundesamt die Freigabe zur Umrüstung von rund 2 Millionen Autos.

Volkswagen Dieselskandal: Die Folgen

Zahlreiche Bußgeldverfahren für Volkswagen waren eine Folge des Dieselskandals: Insgesamt kostete er den Konzern rund 30 Milliarden Euro. Ein Großteil davon entfiel auf Entschädigungen und Strafen in den USA. Rund eine Milliarde Euro ging an das Land Niedersachsen.

In Deutschland wurde fünf Jahre nach Bekanntwerden der Manipulationen das erste rechtskräftige Urteil gegen VW gesprochen. Ende Mai 2020 entschied der Bundesgerichtshof, der Konzern sei grundsätzlich verpflichtet, Schadensersatz zu leisten, allerdings unter Anrechnung der bereits gefahrenen Kilometer. Bisherige Rechtsstreitigkeiten löste der Konzern mit Vergleichen: Die Geschädigten erhielten Geld gegen Rücknahme der Klage.

Am 29. September 2020 begann vor dem Landgericht München der erste deutsche Strafprozess um den Abgasskandal gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler.

Im Oktober 2015 vereinbarten die EU-Mitgliedstaaten neue Regelungen für Stickstoffdioxid-Emissionen: Demnach sollen nach einer Übergangszeit bis 2019 eine Abweichung von bis zu 110 Prozent und ab 2020 eine Abweichung von 50 Prozent erlaubt werden.

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