Digital: Wie die Modelleisenbahner den Computerspielen trotzen wollen

- Nürnberg - Die Branche leidet wegen der Exporte am starken Euro, an der lahmen Binnenkonjunktur und einer zermürbenden Konkurrenzsituation: Während Computerspiele immer mehr Terrain in den Kinderzimmern erobern, darben die klassischen Bereiche. Die Hersteller von Modelleisenbahnen wollen dem durch eine Hightech-Strategie entgegenwirken.

<P>Die Bestandsaufnahme ist unerfreulich: Sowohl beim Marktführer Märklin als auch beim Rivalen Fleischmann stagnieren die Umsätze und gingen im vergangenen Jahr nach einem flauen Weihnachtsgeschäft sogar zurück. "Der Trend zum Computerspielzeug macht uns zu schaffen", sagt Rolf Fleischmann. "Das sind Ablenkungen, die man schnell begreift". Um Kinder an Modelleisenbahnen heranzuführen, müssten sich die Eltern dagegen Zeit nehmen.<BR><BR>Sie werden sich zuerst einmal Zeit nehmen müssen, um alles selbst zu begreifen. Die mit schwergewichtigen Steuertrafos und Drahtverbindungen aufgewachsenen Väter müssen für den eigenen Nachwuchs umschulen. Längst sind die Hersteller auf den Zug der Digitaltechnik aufgesprungen - und der rauscht mit Volldampf weiter: Märklin will, wie Geschäftsführer Paul Adams erklärt, Fahrzeuge, Weichen Steuersignale und Steuergeräte in einem elektronischen System zusammenfassen: die Modelleisenbahn - nichts als ein miniaturisiertes Computernetz. Ein Steuergerät kann bis zu zehn Loks steuern. Auf das echte Modell muss man dabei nicht achten. Alle notwendigen Informationen sieht der Benutzer auch auf dem Display.<BR><BR>Fleischmann setzt sogar einen Navigationssender ein, um den technischen Ansprüchen der jungen Kunden entgegenzukommen. Zusätzlich nutzt man Möglichkeiten, die erst die Miniaturisierung ermöglicht hat. Eine Diesellok soll nun auch klingen wie eine echte Diesellok - dafür sorgen digitale Klangkonserven und ein winziger Lautsprecher.<BR><BR>Gleichzeitig versuchen die Hersteller einen zweiten Weg, um die Fantasie und die Herzen der Kinder anzusprechen: Merchandising. Die Harry-Potter Startpackung mit Hogwarts Express sei sehr gut gelaufen, berichtet Märklin-Mann Adams.<BR>Trotz aller Anstrengungen werden die Bedingungen für die ganze Branche nicht gerade leichter: Fleischmann etwa, wo man nur an drei bayerischen Orten produziert, kämpft mit den Kosten. Der Produktionsstandort Deutschland werde immer schwieriger, sagt Rolf Fleischmann. In seiner Branche sei der Automatisierung Grenzen gesetzt.<BR></P>

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