Digital-Fernsehen über Antenne: Programm ohne Schneetreiben

- München - Nur noch wenige Fernseh-Antennen in der klassischen Metall-Hirschgeweih-Form (verun-)zieren Münchens Dächer. Und wenn es nach der Staatskanzlei und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) geht, werden Ende 2005 alle verschwunden sein - mit der Einführung des digitalen Fernsehens über Antenne (kurz DVB-T) in Bayern.

<P>Ab dann reicht in München und Nürnberg eine kleine Zimmerantenne und ein spezieller digitaler Decoder, um die Tagesschau oder RTLs Comedy-Ergüsse zu genießen. Und noch einige Programme mehr als bisher, verspricht Hansjörg Kuch, der Leiter der medienpolitischen Abteilung der Staatskanzlei: "Statt nur einem können dank der neuen Technik bis zu vier digitale Programme über einen Kanal empfangen werden."</P><P>Momentan sind in München - physikalisch begrenzt - nur 10 Programme über Antenne analog verfügbar. "Mit DVB-T werden es wohl rund 24 sein", schätzt Veit Olischläger, Leiter des Projekts bei der Bayerischen Medien Technik. Welche Sender dazu kommen, steht nach seinen Angaben noch nicht fest. Gute Chancen hätten aber zum Beispiel "Vox" oder "3Sat".</P><P>Doch das erhöhte Sendebewusstsein der Initiatoren ist nicht der einzige Grund für die Ächtung des Analogen: Empfangsbedingtes Schneetreiben während eines Endspiels zum Beispiel, das in fußballbegeisterten Haushalten Familienkrisen heraufbeschwören kann, soll mit der Umstellung der Vergangenheit angehören. Die Empfangsqualität werde spürbar besser, die Störanfälligkeit deutlich geringer, verspricht Olischläger.</P><P>Doch um das digitale Fernsehglück genießen zu können, muss man erst einmal in die Tasche greifen: Wer in Gebieten, die mit DVB-T versorgt werden, seinen alten Fernseher nicht nur noch als Blumenbank nutzen will, muss ihn aufrüsten: "Man kann an seine Scart-Buchse oder den Antenneneingang einen speziellen Digital-Decoder anschließen", erklärt Olischläger. "Die Preise für diese Set-Top-Boxen beginnen heute bei ca. 100 Euro." </P><P>An der Investition führt kein Weg vorbei, wenn man nicht auf Kabel- oder Satellitenanschluss ausweichen kann. Verläuft alles planmäßig, wird es in München und Nürnberg Ende 2005 kein "normales" analoges Fernsehen mehr geben. "Wir wollen die Umstellung in ca. sechs Monaten vollzogen haben", bestätigt Veit Olischläger.</P><P>Die Alternativen zu der neuen Empfangsart bestehen parallel weiterhin, darauf legt Hansjörg Kuch von der Staatskanzlei wert: "Der Wettbewerb von Kabel, Satellit und Antenne verhindert schließlich höhere Kosten."</P><P>Auch, wenn die Antenne in dem Trio kaum noch was zu melden hat: "In München empfangen nur noch ca. 15 Prozent aller Haushalte ihr Programm per Antenne", weiß Olischläger. Bayernweit sind es ca. 8 Prozent.</P><P>Die neue Technologie werde gut ankommen, glauben die Initiatoren. Um zu sehen, dass sich die neue Technik bewährt, muss man sich nicht unbedingt in Großbritannien, Spanien, Schweden oder Finnland informieren, die diese Technologie nutzen. Dafür genüge ein Blick nach Berlin, meint Olischläger: "Dort ist DVB-T schon seit 2002 auf Sendung - mit Erfolg."</P>

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