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Bankgeschäft mit dem Smartphone oder dem PC abwickeln: In Zukunft wird das immer häufiger vorkommen.

Bargeld wird an Bedeutung verlieren

Digitalisierung der Finanzen: Wie der PC zum Bankberater wird

München - Die Digitalisierung der Finanzindustrie ändert die Geschäftsmodelle von Banken radikal. Kunden werden künftig von Computern beraten und Kredite automatisiert.

Die Digitalisierung verändert derzeit große Teile der Industrie. Auch Einzelhandel und Finanzbranche werden von ihr immer stärker erfasst und einem fundamentalen Wandel unterworfen. Wie die Welt des Bezahlens und der Bankgeschäfte in zehn Jahren aussehen wird, dazu hat der Digitalverband Bitkom jetzt im Rahmen einer Studie 100 Spitzenmanager deutscher Finanzunternehmen befragt. Fazit: Das Smartphone wird zum Geldbeutel und zur Bankfiliale. Kreditinstitute erleiden einen Bedeutungsverlust und drohen zum Zulieferer von Internetriesen wie Google oder Zahlungsdienstanbietern wie Paypal zu werden. Das Filialsterben bei Banken ist hierzulande erst am Anfang.

Im internationalen Vergleich digitalisiert sich die deutsche Finanzwelt noch in gemäßigtem Tempo, stellt Bitkom-Vize Ulrich Dietz klar. So seien Länder wie Schweden dabei zu überlegen, Bargeld weitgehend komplett abzuschaffen. In Italien werde der Preis für einen Skipass bereits heute automatisch per Smartphone vom Konto eines Skifahrers abgebucht. In Australien und Kanada erhalten Internetnutzer auf Immobiliensuche automatisch und ohne eigene Anfrage Finanzierungsangebote zugemailt. Hier zu Lande klinge so etwas oft noch wie Science Fiktion, sagt Dietz. Veränderungen würden aber schneller kommen, als viele glauben.

Bargeld wird dominierende Stellung verlieren

Bargeld wird auch in Deutschland binnen zehn Jahren seine heute noch dominierende Stellung als Bezahlungsmittel verlieren, glauben fast zwei Drittel der von Bitkom befragten Banker. Mit Barem werde 2025 dann wohl nur noch halb so oft bezahlt wie mit Kreditkarte oder Smartphone. Gut ein Drittel der Banker schätzt, dass es in Einzelhandelsgeschäften dann gar keine Kassen mehr gibt. „Das Smartphone ersetzt Geldscheine und Münzen“, sagt auch Dietz voraus. Beim Verlassen eines Ladens werde dann der Preis mitgenommener Waren automatisch per Handy vom Konto abgebucht. In zehn Jahren werde es auch üblich sein, Kredite per Handy in Minutenschnelle zu beantragen, und das nicht mehr zwingend bei einer Bank, sondern über Internetplattformen, die Privatkredite von Verbraucher zu Verbraucher vermitteln. Derartiges verändere die Geschäftsmodelle von Banken radikal.

Auch rechnen drei Viertel der Banker laut Umfrage damit, dass das Smartphone auf diese Art immer mehr zur Bankfiliale der Zukunft wird. Gut die Hälfte schätzt, dass Bankgeschäfte künftig über soziale Medien abgewickelt werden. Deutschlands Banker sehen aber auch neue Chancen durch die Digitalisierung. So schätzen zwei Drittel von ihnen, dass Kundenberatung künftig automatisiert per Algorithmus von Computerprogrammen übernommen wird und menschliche Berater nur noch in Ausnahmefällen auf ausdrücklichen Wunsch hinzugezogen werden. Eine ähnlich große Zahl von Bankern bekannte sich auch dazu, Informationen über Kunden künftig verstärkt durch systematische Auswertung sozialer Netzwerke zu erlangen, solange das datenschutzrechtlich erlaubt sei.

Konkurrenz der Banken: Paypal, Google & Co.

Bei der Digitalisierung werden deutsche Banken 2025 in der internationalen Spitzengruppe sein, glaubt die Mehrheit der befragten Banker. Ihre größten Konkurrenten seien dann nicht mehr andere Banken sondern Paypal, Google & Co. Startup-Unternehmen aus dem Bereich Finanzdienstleistungen, sogenannte Fintechs, haben sie dagegen kaum auf der Rechnung. Das könnte sich als Fehler herausstellen, warnt Dietz.

Ausdrücklich nicht kommentieren wollte er ein anderes Ergebnis der Bitkom-Studie. Danach beklagen sich 93 Prozent der Banker darüber, dass Verbraucher den Innovationen der Finanzbranche skeptisch gegenüberstehen. Mit Blick auf die jüngsten Finanzkrisen könnte das aber eine weise Vorsicht sein.

Thomas Magenheim-Hörmann

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