Konjunkturumfrage der DIHK

Wirtschaft schafft halbe Million neue Jobs

Berlin - Deutschlands Unternehmen fühlen sich wohl: Sie investieren, stellen viele Leute ein und glauben an einen starken Aufschwung. Nur mit einem gesetzlichen Mindestlohn wollen sie sich nicht anfreunden.

Das deutsche Jobwunder geht in sein neuntes Jahr: Nach Berechnungen der Wirtschaft werden mit dem Aufschwung 2013 und 2014 insgesamt fast eine halbe Million neue Stellen geschaffen. Eine vergleichbare, langfristige Erfolgsstory auf dem Arbeitsmarkt habe es zuletzt in den Wirtschaftswunderjahren gegeben, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Montag in Berlin.

In der Herbst-Konjunkturumfrage des DIHK gaben fast 90 Prozent der beteiligten 28 000 Unternehmen an, sie wollten ihr Personal aufstocken oder halten. Die Industrie warnte in diesem Zusammenhang erneut vor einem gesetzlichen Mindestlohn, den eine große Koalition aus Union und SPD einführen könnte. Dann stünden etwa eine Million Jobs auf dem Spiel. Auch weiter steigenden Strompreise verhinderten ein noch stärkeres Wachstum.

Das ändert aber nichts am großen Optimismus in den Vorstandsetagen. Die Geschäftserwartungen der Firmen verbesserten sich im Herbst zum dritten Mal infolge. „Die Wirtschaft schaltet einen Gang höher“, meinte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Der Verband erwartet 2014 ein Wachstum von 1,7 Prozent und liegt damit auf Linie des Herbstgutachtens der Wirtschaftsforscher. An diesem Mittwoch präsentiert die Bundesregierung ihre neue Prognose. Vor den Koalitionsverhandlungen forderte Wansleben Union und SPD auf, die Überschüsse in den Staatskassen nicht für soziale Wohltaten zu „verfrühstücken“, sondern den Schuldenabbau und die Kassenlage nach 2017 im Blick zu behalten.

Energiewende gilt als Konjunkturrisiko

Mit dem Ausklingen der Rezession in der Euro-Zone wächst gerade bei den Exporteuren die Zuversicht. Die Exporteinschätzungen erreichten in der zweimal jährlich durchgeführten DIHK-Befragung den höchsten Wert seit Frühsommer 2011. Nun wird mehr investiert, besonders in Chemie, Elektrotechnik und Verkehrswirtschaft.

Als größtes Konjunkturrisiko gilt unverändert die Energiewende. Die Kosten der Ökostromförderung stiegen im nächsten Jahr auf 24 Milliarden Euro - das ist ein Prozent der Wirtschaftsleistung. Als Sofortmaßnahme sollte die neue Regierung die Stromsteuer senken, forderte der DIHK. Etwa ein Viertel der Industriebetriebe denke wegen hoher Energiekosten an Produktionsverlagerungen ins Ausland nach.

Der Frust über den Haushaltsstreit in den USA ist in der deutschen Wirtschaft groß. Das Gezerre zwischen Republikanern und Demokraten schade der Demokratie und verunsichere Marktteilnehmer weltweit. „Uns kann es nicht recht sein, wenn die amerikanische Politik sich selbst zu Witzfiguren der Weltpolitik abstempelt“, meinte Wansleben.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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