Dividende rauf, Postämter zu

- München - Nicht zuletzt am Briefmonopol verdient die Deutsche Post derzeit prächtig. Die Aktionäre sollen deswegen mit einer höheren Dividende belohnt werden. Gleichzeitig hält das Unternehmen aber auch an seinem Plan fest, bis Ende des Jahres deutschlandweit an die 1000 Filialen in Landgemeinden zu schließen - um zu sparen.

<P class=MsoNormal>"Das war das beste Jahr seit 1990", freute sich Klaus Zumwinkel am Dienstag. Entsprechend gut waren die Zahlen für 2004, die der Post-Chef während der Bilanz-Pressekonferenz verkündete. Der Umsatz legte 2004 im Vorjahresvergleich um 7,9 Prozent auf 43,17 Milliarden zu, während der Konzerngewinn sogar um 21,3 Prozent auf 1,59 Milliarden kletterte. Weil auch in diesem Jahr die Zeiger nach oben stehen, zeigte sich Zumwinkel großzügig: Die Dividende solle von 44 auf 50 Cent erhöht werden, schlug er vor. Stimmen die Aktionäre auf der Hauptversammlung im Mai zu, würden 556 Millionen Euro ausgeschüttet.</P><P class=MsoNormal>Aber während sich die Post gegenüber den Anteilseignern spendabel zeigt, bekommt mancher Kunde Sparmaßnahmen zu spüren: Der gelbe Riese dünnt, wie im Herbst angekündigt, sein Filialnetz weiter aus. Am Ende des Jahres werden von den derzeit etwa 13 000 Postämtern nur noch rund 12 000 übrig sein - gerade so viele, wie in der so genannten Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) gesetzlich als Mindestzahl vorgeschrieben sind. "Die Post ist keine Behörde mehr, sondern ein börsennotiertes Unternehmen", sagt Sprecher Gert Hilger. "Wir müssen uns wirtschaftlich verhalten."</P><P class=MsoNormal>Elmar Müller sieht das anders. "Dem Verbraucher wird ein Stück Serviceleistung genommen", sagt er. Und das, obwohl die Post bis Ende 2007 in den Genuss des Briefmonopols komme. Der ehemalige postpolitischer Sprecher der CDUCSU-Bundestagsfraktion ist Sprecher des Postkunden-Forums, in dem sich Unternehmen und Privatleute zusammengeschlossen haben. Er warnt vor einer postalischen Mangelversorgung auf dem Land. Denn von den Schließungen sind ausschließlich Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern betroffen, davon ein gutes Dutzend in Bayern. Dort ist die Post laut PUDLV nicht verpflichtet, stationäre Einrichtungen zu unterhalten.</P><P class=MsoNormal>Auch der so gennante Mobile Postservice (Mops) kann den Verlust der Filialen nach Müllers Einschätzung nicht ausgleichen. Mit diesem Begriff bezeichnet die Post Briefträger, die in den betroffenen Gebieten künftig die postalische Grundversorgung sichern sollen. Bei ihnen können die Kunden dann Briefmarken kaufen sowie Pakete und Briefe loswerden. Aber: "Das ist kein adäquater Ersatz, sondern bloß eine umständliche Einrichtung", sagt Müller. So blieben die Empfänger von Paketen gezwungen, zur nächstgelegenen Postfiliale zu fahren, wenn sie den Paketzusteller verpassen, was vor allem für ältere Menschen ein Problem sei. Berufstätige hätten gar keine Chance, den Mops tagsüber in Anspruch zu nehmen.</P><P class=MsoNormal>Bei der Deutschen Post lässt man diese Argumente nicht gelten. Berufstätige könnten ihre Postgeschäfte auch am Ort ihrer Arbeit erledigen, sagt Gert Hilgner. Bei Paketen könnte eine Zweitzustellung beantragt werden. In ländlichen Gebieten, wo es den Mops bereits gibt, sind dem Post-Sprecher keine größeren Probleme bekannt. "Das spielt sich mit der Zeit ein", ist er überzeugt.</P>

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