DocMorris heizt mit erster Filiale Wettbewerb in Deutschland an

- München -­ Im Schnitt um 30 Prozent billiger will die niederländische Firma DocMorris rezeptfreie Arzneien anbieten. Nachdem deren Versandhandel für Aufruhr unter den deutschen Apothekern sorgte, fasst jetzt der Discount-Apotheker auf heimischem Boden Fuß. In St. Wendel eröffnete DocMorris seine erste Filiale.

Der erste Anlauf war am deutschen Apothekengesetz gescheitert. Das besagt, dass nur ein Apotheker und keine Kapitalgesellschaft eine Apotheke betreiben darf. Doc-Morris-Chef-Ralf Däinghaus berief sich dagegen auf das europäische Recht der Niederlassungsfreiheit. Das Saarbrückener Verwaltungsgericht hatte angeordnet, eine von dem Holländer gekaufte Apotheke vorläufig zu schließen.

Diesmal ging DocMorris geschickter vor. Die Doc-Morris-Apotheke in St. Wendel bleibt im Besitz der bisherigen Eigentümerin, der in Deutschland zugelassenen Pharmazeutin Antoinette Angel. Diese muss für den Verkauf unter dem grünen Doc-Morris-Logo eine Lizenzgebühr zahlen.

Nächsten Montag werde eine weitere Filiale in Nord- und die Woche darauf in Süddeutschland, später sicher auch in München folgen. Der gesamte Versandhandel von Apotheken in Deutschland stagniert unterdessen laut Branchenverbänden bei knapp zwei Prozent. Vielleicht auch deshalb sehen die ehrgeizigen Pläne in drei bis fünf Jahren 500 Doc-Morris-Apotheken vor. "Deutsche Apotheken sind noch nicht so auf Wettbewerb eingestellt", versucht Katharina Bittel, Doc-Morris-Sprecherin, das Naserümpfen der Standesvertreter zu erklären.

Mit 150 Millionen Euro Umsatz 2005 liege DocMorris weit über dem Umsatz einer durchschnittlichen deutschen Apotheke (1,6 Millionen im Jahr). Neben Synergieeffekten nennt sie weitere Vorteile der Apotheken-Kette: In den Niederlanden sind Rabatte auf Medikamente im Gegensatz zu Deutschland erlaubt, und mit sechs Prozent liegt die Mehrwertsteuer auf Medikamente auch deutlich unter der deutschen mit 19 Prozent. "Der Preiskampf darf nicht zu Lasten der Qualität gehen", warnt Wolfgang Schneider, stellvertretender Geschäftsführer des Bayerischen Apothekerverbandes, auf Anfrage unserer Zeitung. "Wenn jemand mehr als ein Medikament einnimmt, kann es zu Wechselwirkungen kommen."

Daher sei eine qualifizierte Beratung notwendig ­ unabhängig davon, wo die Arzneimittel gekauft werden. "Eine normale mittelständische Apotheke hat aufgrund der wirtschaftlichen Lage nicht die Möglichkeit, ein Preisdumping im rezeptfreien Bereich zu betreiben", sagt Schneider.

Als Preistreiber Nummer zwei gleich nach den Herstellern macht der Verband den Fiskus aus. Allein die jüngste Mehrwertsteuererhöhung koste die Krankenkassen bis zu einer Milliarde Euro mehr im Jahr. "Während für Hundefutter und Pornozeitschriften der reduzierte Steuersatz von sieben Prozent erhoben wird, schlägt der Staat bei Medikamenten voll zu", schimpft Schneider.

"Die Arzneimittelpreise werden vom Hersteller bestimmt", sagt auch Annette Rogalla von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Solche Apotheken-Einkaufsgemeinschaften, wie sie DocMorris jetzt auch in Deutschland vorhat, bestehen bereits. "Wenn es dazu beiträgt, dem Verbraucher auch einen Preisvorteil zu bringen, dann ist das positiv", meint Thomas Isenberg von der Verbraucherzentrale Bundesverband zur neuen Konkurrenz der Niederländer. Nach Aussage von Rogalla gibt es bei rezeptfreien Arzneien aber durchaus Preisunterschiede von Apotheke zu Apotheke ­ und die seien auch mal günstiger als bei DocMorris.

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