Der Dollar beendet die Zeit der Rekorde

München - Es ist erst einige Wochen her, dass Euro, Gold und Öl scheinbar ungebremst immer neue Höchststände erklommen. Doch nun meldet sich der Dollar zurück und knickt die Kurskurven nach unten. Aber wieso eigentlich?

Zuletzt hatte mancher den Dollar schon abgeschrieben. Der "Greenback", unkten einige Auguren, verliere seine Rolle als globale Leitwährung, nachdem er gegenüber dem Euro seit 2006 kontinuierlich an Wert eingebüßt hatte. Doch in den letzten Wochen präsentierte sich das US-Geld nicht mehr wachsweich, sondern knallhart: Konnten Devisenhändler Mitte Juli einen Euro noch gegen fast 1,60 Dollar eintauschen, erhielten sie am Montag nur noch 1,48 Dollar - so wenig wie seit sechs Monaten nicht mehr.

"Die Stärkephase des Euro ist vorüber", sagt Jörg Angelé, Analyst bei der BayernLB in München. Der Auftrieb der amerikanischen Währung ist nach seiner Ansicht aber weniger auf die robuste Konjunktur in der weltgrößten Volkswirtschaft zurückzuführen - im Gegenteil, die USA kämpfen mit den Folgen der Finanzkrise. Vielmehr profitiert der Dollar aktuell von der Schwäche Europas, wie auch andere Volkswirte meinen.

In der Eurozone trübt sich die Konjunktur momentan stärker ein als erwartet. Beobachter rechnen deshalb mittlerweile mit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank im ersten Quartal 2009, die deren Präsident Jean-Claude Trichet vergangene Woche durch die Blume ankündigte. Damit würde die EZB indirekt Kredite verbilligen und damit die Wirtschaft stimulieren. Zugleich sorgen niedrigere Zinsen aber dafür, dass Investoren mit ihrem in den Euro-Staaten angelegten Kapital weniger Rendite erzielen, weil auch die Guthabenzinsen sinken. Die Folge: Anleger ziehen ihr Geld ab, die Nachfrage nach Euros sinkt. Allein die Aussicht darauf lässt den Kurs der Europa-Währung derzeit fallen.

Hinzu kommt, dass auf der anderen Seite des Atlantiks die US-Notenbank Federal Reserve in absehbarer Zeit ihre Politik des billigen Geldes aufgeben dürfte. Zum einen, weil die Konjunktur zum Jahresende nach Einschätzung von Ökonomen langsam wieder Tritt fasst; niedrige Zinsen sind dann nicht weiter gerechtfertigt. Zum anderen, weil sich die Inflation in den USA zuletzt auf fünf Prozent beschleunigt hat. Stoppen kann die Fed die Teuerung aber nur, wenn sie die Zinsen anhebt. Dadurch würde der Dollarraum für Anleger attraktiver, was sich schon heute in seinem Kurs ausdrückt.

Die meisten Marktbeobachter erwarten allerdings keinen weiteren Euro-Einbruch, wie er zuletzt zu beobachten war. "Der Absturz der vergangenen Tage wird sich nicht fortsetzen", sagt BayernLB-Analyst Angelé. Langsam aber sicher wird sich der Wechselkurs in den kommenden Monaten nach seinen Worten in Richtung 1,45 Dollar bewegen.

Der starke "Greenback" spiegelt sich aber nicht nur im Kurs des Euro und dem anderer Devisen wider - er bewegt auch die Rohstoffmärkte. So wird der massive Rückgang der Ölpreise im vergangenen Monat nicht nur mit einem konjunkturbedingten Nachfragerückgang und Übertreibungen begründet. Eugen Weinberg von der Commerzbank führt auch den Dollar an, in dem Öl traditionell gehandelt wird. Denn ist die US-Währung stark, können Förderländer mit den Dollars mehr in anderen Währungsräumen kaufen. Damit erhöht sich auch ihre Bereitschaft, die Fass-Preise zu senken, um die Nachfrage nicht abzuwürgen. Ein Barrel wird unter anderem deswegen bis zum Jahresende nur noch 100 Dollar kosten, erwartet die Dresdner Bank.

Auch der Gold-Kurs hat merklich unter dem Dollar gelitten. Er rauschte in den vergangenen Wochen von deutlich über 900 auf gestern nur noch 820 Dollar je Feinunze. Anders als beim Öl rechnen Marktbeobachter wie Eugen Weinberg mittelfristig aber mit einer Erholung zurück in Richtung 1000 Dollar, weil das Angebot des Edelmetalls tendenziell knapp bleibt. Weinberg: "Wir rechnen mit einer hohen Nachfrage."

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