Dollar lässt die Muskeln spielen - vorübergehend

- Frankfurt - Der Dollar lässt seine Muskeln spielen und zwingt den Euro zu immer neuen Kursrutschen. Seit Monaten verliert der Euro stetig an Wert und ist in den vergangenen Tagen mehrfach auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren gefallen. Die Gemeinschaftswährung pendelt um 1,17 Dollar und wird voraussichtlich auch noch die Marke von 1,15 Dollar testen. Die Ökonomen zeigen sich überrascht.

Viele hatten dem Euro nach dem Rekordhoch von 1,36 Dollar zum Jahresende 2004 kräftige Kurzzuwächse in diesem Jahr zugetraut. Genau das Gegenteil ist eingetreten, der Euro hat seitdem fast 20 Cent verloren.

Manche Beobachter sprechen von einer Euro-Schwäche. Angesichts der anhaltenden Krawalle in Frankreich und der politischen Unsicherheiten bei der Bildung der großen Koalition in Deutschland sei der europäische Reformzug ins Stocken geraten, heißt es. "Das ist kein Argument", widerspricht die Chefvolkswirtin der Helaba, Gertrud Traud. "Politische Ereignisse spielen nur kurzfristig eine Rolle." Die Ökonomen reden vielmehr von einer Dollar-Stärke, für die es handfeste wirtschaftliche Gründe gibt.

"Die US-Notenbank hat kräftig an der Zinsschraube gedreht", sagt Jens-Uwe Wächter, Währungsexperte der Deka-Bank. "Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa lockt die Anleger in den Dollar." Das drückt den Euro. Selbst wenn die Europäische Zentralbank den Leitzins wie erwartet anheben wird, dürfte der amerikanische Zins bis Mitte 2006 auf 4,75 Prozent steigen gegenüber erwarteten 2,5 Prozent im Euro-Raum.

Ausländisches Kapital strömt aber nicht nur wegen attraktiver Zinsen, sondern auch wegen des "Homeland Investment Act" in die USA. Dieses Gesetz bietet amerikanischen Unternehmen Steuererleichterungen an, wenn sie bis Jahresende ihre bei Auslandstöchtern erzielten Gewinne in die USA einführen. Dabei könnte es sich um dreistellige Milliardenbeträge handeln. Der Dollar-Höhenflug wird daher noch eine Weile andauern - obwohl sich eine Trendumkehr abzeichnet.

"Wenn die Zinserhöhungen in den USA 2006 enden und die Wirtschaft sich abschwächt, wird das Leistungsbilanzdefizit der USA wieder in den Mittelpunkt rücken", sagt Währungsexperte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Die negative Leistungsbilanz und das enorme Haushaltsdefizit der USA galten im vergangenen Jahr als Hauptursachen für die anhaltende Schwäche des US-Dollar. Nach neuesten Zahlen hat das Defizit im US-Außenhandel im September mit 66 Milliarden Dollar einen neuen Rekord erreicht.

Langfristig sehen die Devisenexperten den Euro wieder im Aufwärtstrend. In sechs Monaten soll er rund 1,25 Dollar wert sein, in einem Jahr 1,30 Dollar.

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