Berichte über Tote und Verletzte bei Bahnunglück in den USA

Berichte über Tote und Verletzte bei Bahnunglück in den USA

Dollar-Schnäppchen und der Zoll

München - Der Dollarkurs macht Einkaufen in den USA attraktiv. Gerade zur Weihnachtszeit nutzen Reisende die Gelegenheit, Geschenke zum Schnäppchen-Preis für die Lieben daheim zu ergattern. Eine böse Überraschung droht aber, wenn der Zoll abkassiert.

Der Flieger aus Los Angeles ist gelandet. Olga Hofmann steuert ohne zu zögern auf den roten Kanal zu. Rot heißt: Ich habe zu verzollende Ware. Grün: Ich habe nichts zu verzollen. Olga Hofmann hat auf einer Fachmesse für Westernreiter in Oklahoma-City ein Schnäppchen ergattert: einen Reitsattel für 1750 US-Dollar. "Das liegt eindeutig über der Zollfreigrenze von 175 Euro", sagt Thomas Meister, Sprecher vom Hauptzollamt München. Das wissen auch Olga Hofmann und ihre zwei Begleiter: "Wir haben uns vorher informiert. Trotz Zoll und Steuer ist so ein Sattel immer noch günstiger als in Deutschland." Während die drei Reiter am Tresen noch das ein oder andere Geschenk zum Verzollen angeben, stehen die Zollbeamten bereit, um andere Passagiere aus dem L.A.-Flieger stichprobenartig zur Kontrolle zu bitten.

Denn rund 90 Prozent der Reisenden schlagen den grünen, also zollfreien Weg ein ­ oftmals wider besseres Wissen. "Die Touristen bringen viel mit und tappen dann in die Zollfalle", sagt Thomas Meister. "Sie machen sich einfach keine Gedanken darüber, dass für die eingeführten Waren Zoll und Einfuhrumsatzsteuer anfallen." Dabei steht es überall an den Gepäckausgaben und kurz vor dem Ausgang in englischer und deutscher Sprache. ",Ich habe nichts gewusst, zieht als Ausrede nicht", macht Meister deutlich.

Käthe Piegsa hat sich bislang nicht über die Zollbestimmungen für Reisen aus den USA informiert. "Ich bin keine große Shopperin, sondern habe nur meine Schwester besucht." Egal, der Beamte bittet die Rentnerin zur Kontrolle ­ ihre erste überhaupt. In ihrem Gepäck findet der Mann keine Zollware, sondern nur Maiskolben, Brot und Bettwäsche. Alles liegt innerhalb der Zollfreigrenze. Die Stichproben bei diesem Flug bringen keine Zollvergehen ans Licht.

Regeln für die Einfuhr Folgende Regeln gelten für Reisen aus Drittländern, also für Länder, die nicht zur EU gehören. Bei einem Warenwert bis 175 Euro verlangt der Zoll kein Geld von den Touristen. Ausnahmen sind Alkohol, Zigaretten, Kaffee und Parfüm: Hier zählt nicht der Warenwert, sondern eine festgelegte Einfuhrmenge ­ unabhängig davon, was der Reisende Weiteres im Ausland gekauft hat. Bei Erwachsenen sind das 200 Zigaretten, zwei Liter Wein und ein Liter Schnaps, ein Pfund Kaffee und 50 ml Parfüm.

Bis zur 350-Euro-Grenze fällt eine Pauschalverzollung von 13,5 Prozent des Warenwertes an. Deshalb ist es wichtig, dass der Tourist die Rechnungen immer aufhebt ­ sonst muss der Zoll den Kaufpreis schätzen.

Komplizierter wird es, wenn der Warenwert über 350 Euro liegt. Dann gelten individuelle Abgabensätze. Es sind grundsätzlich Einfuhrumsatzsteuer (19 Prozent) und Zoll zu entrichten. Die Höhe des Zollsatzes hängt davon ab, was gekauft wird. Jede Ware hat einen eigenen Zollsatz: Auf Textilien entfallen 12, auf CDs 3,5 und auf Goldschmuck 2,5 Prozent. Bücher und Notebooks sind hingegen zollfrei. Lediglich die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent muss für Notebooks entrichtet werden. Eine detaillierte Liste hat der Zoll auf seiner Homepage zusammengestellt.

Bußgelder

Wer unwissend oder absichtlich trotz Zollware den grünen Ausgang nimmt, macht sich strafbar. Glimpflich davon käme der Betroffene mit einem Zuschlag. Er entspricht in der Regel der Höhe des Zollbetrages, muss aber zusätzlich gezahlt werden. Die Grenze für diesen Zuschlag liegt bei 130 Euro. Schwerer trifft es den Heimkehrer bei größeren Beträgen. Dann droht ein Bußgeld bis zu 50 000 Euro. Schlimmstenfalls kann sogar ein Strafverfahren eingeleitet werden. Gerade wenn jemand versucht, die Waren zu verstecken. Auf Steuerhinterziehung steht Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. In besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren.

Weihnachtseinkäufe

Gerade heuer in der Vorweihnachtszeit merken die Flughafen-Beamten, dass viele Touristen den günstigen Dollarkurs nutzen, um in den USA auf große Einkaufstour zu gehen. Kleidung und elektronische Medien, wie iPhones und Notebooks, sind der große Renner, weil sie um ein Vielfaches günstiger sind als in Deutschland. Rechnen Passagiere die Zollgebühren nicht mit ein, dann kann aus dem vermeintlichen Schnäppchen ein teures Vergnügen werden.

Anzeigen

Allein bis zum Stand November kam es beim Flughafenzoll zu 1523 Anzeigen. Im Vergleich: Im Jahr 2006 sind 1388 Anzeigen gestellt worden. "In den letzten drei Tagen haben wir sieben Strafanzeigen gestellt", berichtet Thomas Meister. So hatte ein Passagier, der in New York einkaufen war, Schmuck im Wert von 1600 Euro nicht verzollt. Die Folgen: Zum Zoll und zur Einfuhrumsatzsteuer erwartet ihn auch noch ein Brief von der Straf- und Bußgeldstelle. Übrigens: Wer erstmal die grüne Linie in Richtung Ausgang überschritten hat, kann es sich nicht einfach anders überlegen, umkehren und doch den roten Gang gehen. "Der Reisende hat oft genug die Gelegenheit, sich vorher zu informieren", sagt Meister.

Internet-Einkauf

Wer nicht extra in die USA reisen will, um den günstigen Dollarkurs zu nutzen, kann auch bei US-Internetseiten online einkaufen. Allerdings ist ein guter Wechselkurs nur das halbe Geschäft. Denn es gelten beim Postversand andere Regeln, was die Zollfreigrenze anbelangt. Sendungen, deren Wert unter 22 Euro liegen, sind zollfrei. Alles, was darüberliegt, ist zollpflichtig.

Die Deutsche Post zahlt direkt beim Zoll die Gebühr, wenn die Unterlagen vollständig vorliegen, und verlangt das Geld vom Empfänger zurück. Sind im Päckchen verbotene Inhalte (zum Beispiel Aspirin aus den USA, das in Deutschland aufgrund einer anderen Zusammensetzung nicht zugelassen ist), geht die Sendung retour. Außerdem sollte der Käufer beim Online-Shopping die Versandkosten im Auge behalten.

Zum Thema Weitere Infos gibt es unter www.merkur.de/zeljko oder telefonisch beim Zoll-Servicecenter unter 089/5995-2555.

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