Dornier-Prototyp unterm Hammer: DO 728 brachte nur 19 000 Euro

- Oberpfaffenhofen - Die Entwicklung hat Hunderte Millionen Euro verschlungen - seine traurigen Überreste brachten nun genau 25 000 Euro. Das zahlten Interessenten für die beiden Prototypen des geplanten Regionaljets DO 728 an dem der Flugzeughersteller Fairchild Dornier Pleite ging.

<P>Die lackierte Variante (innen leer) ging für 19 000 Euro ans Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die das Gerät für Forschungszwecke einsetzen will. Deutlich billiger ging das zweite und magerere 728-Modell weg, das der 68-jährige Gotthard Gröll für 6000 Euro ersteigerte. "Das kam so aus dem Bauch heraus", sagte der Rentner anschließend. Was er mit dem Flieger nun machen wird, hat er noch nicht entschieden, schließt aber nicht aus, dass er das Modell einem Kindergarten als Spielgerät zur Verfügung stellen könnte.<BR><BR>19 000 und 6000 Euro - das liegt liegt weit unter den Mindestgeboten von 50 000 bzw. 25 000 Euro, die sich das Hamburger Auktionshaus Wilhelm Dechow erwartet hatte. Weit höhere Gebote wurden im Umfeld der Versteigerung genannt. Anthony Petrella, ein Abgesandter des ehemaligen Dornier-Managers Earl Robinson, sprach von 100 000 Euro als einem guten Preis. Robinson galt als möglicher Retter von Fairchild-Dornier - doch wurden ihm Finanzierungsprobleme nachgesagt. Als das größte Einzelstück aufgerufen wurde, rührte Petrella keinen Finger. Die zweite Runde begann bei null.<BR><BR>Für eine ganze Jet-Produktionsstraße (Mindestgebot 250 000 Euro) findet sich ebenfalls kein Interessent. Die 400 Bieter sind wegen anderer Posten gekommen. Neuwertige Werkstattwagen, die weit unter ihrem Neupreis aufgerufen wurden, Computerbildschirme, Werkzeugschränke, Gabelstapler. "Eine ganze Flugwerft könnte man ausrüsten", schwärmte ein Teilnehmer vor der Versteigerung. Andere wollten günstig Profi-Ausrüstung für die heimische Garage ersteigern. Mancher spekulierte auf günstige Transporter aus dem Fuhrpark, um sie zu Wohnmobilen umzurüsten.<BR><BR>Gerade die kleinen Teile erzielten so die besten Preise. "Nicht mehr interessant", stöhnte der Manager einer Firma angesichts der in die Höhe getriebenen Gebote. Einige hundert Euro für Werkstattwagen, Schränke, Werkbänke - von Schnäppchen war da nicht mehr die Rede. Auch viele der ehemaligen Dornier-Mitarbeiter, die gekommen waren, um sich ein Souvenir zu ersteigern, gingen leer aus.<BR><BR>"Es blutet einem schon ein wenig das Herz", räumte Rechtsanwalt Detlef Specovius aus der Kanzlei des Insolvenzverwalters ein. Mit dem endgültigen Aus für den Regionaljet sei auch ein Stück Luftfahrtgeschichte verloren gegangen.<BR><BR>Der Insolvenzverwalter erhoffte sich aus der Versteigerung einen siebenstelligen Betrag, der dann unter den Gläubigern aufgeteilt werden soll. "Wir haben aber keine genaue Zielvorgabe", sagte Specovius. Die Gebote für die teils hoch spezialisierte Luftfahrt-Technik seien schwer einzuschätzen. <BR>Ob die Rechnung aufgeht, wird sich erst heute erweisen. Um 11 Uhr beginnt in Oberpfaffenhofen die zweite Runde der Versteigerung. Wer Interesse hat, sollte 500 Euro als Kaution mitbringen, die hinterlegt werden müssen.<BR></P>

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