Dosen treten den Rückzug an

- Brüssel/München - Die deutschen Verbraucher finden in immer weniger Handelsregalen Getränke-Dosen. Zwei Wochen vor dem Auslaufen der Dosenpfand-Übergangsfrist zeichnet sich ab, dass wohl nur noch Tankstellen-Ketten, Kioske und wenige Supermärkte Erfrischungsgetränke in pfandpflichtigen Dosen führen werden. Mit Edeka, Aldi und Metro haben bereits drei der vier führenden deutschen Lebensmittelhändler Pfanddosen ausgelistet.

<P>Die Genossenschaftsgruppe Rewe (Rewe, Minimal, Penny) will sich noch nicht öffentlich festlegen. "Wir sind auf alles vorbereitet", sagte ein Sprecher.</P><P>Ab 1. Oktober soll ein bundesweites Rücknahmesystem die bisherige "Zettelwirtschaft" bei den Getränkedosen und anderen pfandpflichtigen Einweggetränkeverpackungen ablösen. Seit Jahresbeginn 2003 müssen die Verbraucher in Deutschland einen Kassenbon oder Wertmarken aufheben, damit sie das Pfand für die Dosen und Einwegflaschen zurückbekommen.</P><P>Erschwerend kommt hinzu, dass das Einwegpfand derzeit nur von dem Händler oder Konzern erstattet wird, bei dem die Getränke gekauft wurden. Hintergrund des Einwegpfandes war der rückläufige Marktanteil von den Getränken in Mehrwegflaschen. Es gilt bei Bier, Wasser sowie auch anderen kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken.</P><P>Unterdessen wurde in Berlin ein weiteres Modell zur bundesweiten Rücknahme von Einweg-Verpackungen vorgestellt, das aber nicht mehr vor dem 1. Oktober in Betrieb gehen kann. Kern dieses Konzeptes sei ein Netz von Rücknahmeautomaten und die Kennzeichnung der Dosen und Flaschen mit einem fälschungssicheren Faden, sagte ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft umweltfreundliche Verpackungs-Recycling-Systeme (AVR). Die erforderlichen Automaten würden erst in einigen Monaten lieferbar sein. Sie sollen als Basismodell 2500 Euro kosten und damit deutlich billiger sein als bisher vom Handel behauptet. Zuvor stellten auch schon andere Unternehmen Modelle vor. So steht der Großhändler Lekkerland-Tobaccoland mit einem System bereit.</P><P>Ein Großteil des Handels hat das Aufstellen von Automaten als zu teuer abgelehnt. Außerdem gehe Verkaufsfläche verloren. Darunter würden vor allem Supermärkte leiden, die in den Innenstädten durch Bauvorschriften ohnehin nur auf einer begrenzten Fläche aktiv sein dürften und damit den Discountern nur eingeschränkt Paroli leisten könnten. Vor allem Discounter setzten als Ersatz für die Dose auf speziell geformte Plastik-Flaschen. So will Norma Getränke in einem nur bei der Kette erhältlichen Flaschentyp anbieten. Ähnlich verhält sich die Tengelmann-Tochter Plus.</P><P>Mit dem Zurückdrängen der Dose im Einzelhandel haben Befürworter des Pfandes zwar ihr Ziel erreicht. Die Regelungen könnten aber von Brüssel unter die Lupe genommen werden. Die EU-Kommission erwartet bis 1. Oktober ein funktionierendes Rücknahmesystem.<BR></P>

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