Dosenpfand: Segen für Bayerns kleine Brauer?

- München - Je lauter Einzelhändler und Großbrauer über das Dosenpfand klagen, desto stärker werden diejenigen vermisst, die davon profitieren. Der Verband der Privatbrauereien in Bayern reklamiert für die kleinen Bier-Betriebe den Platz auf der Gewinnerseite der Pfandmünze. Doch verstärkt sich der Verdacht, dass das Dosenpfand keinem hilft - zumindest aus wirtschaftlicher Sicht, wie wohl auch eine Studie aus dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt.

<P>9700 Arbeitsplätze wird das Dosenpfand vernichten, bis zu 1,2 Milliarden Euro Umsatz auffressen, soll angeblich eine Studie des Forschungsinstituts Prognos ergeben. Dem gegenüber stehe kaum ein ökologischer Nutzen. Zwar geistert die Studie noch im Bundeswirtschaftsministerium umher, wo sie in Auftrag gegeben wurde. Doch beeilte sich das Umweltministerium, bei dem Gutachten "erhebliche methodische Defizite" anzuprangern. Andere Studien kämen zu anderen Schlüssen.<BR><BR>Möglicherweise durch das ministeriale Hickhack motiviert hob der Verband der Privatbrauer jetzt seine Stimme zum Jubel. "Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich" vermeldete der Verband mittelständischer Privatbrauereien in Bayern bei kleinen Unternehmen. Nach Jahren sinkender Marktanteile sei der Abwärtstrend vorerst gestoppt, hieß es. </P><P>Und das auch dank des Dosenpfands. Der Verband hofft, dass die kleinen regionalen Brauereien durch die Hintertür in die Supermärkte schlüpfen können. Die haben Einweggetränke zum Teil aus ihren Regalen geräumt. An ihrer Stelle könnten nun verstärkt regionale Biere in die Supermarkt-Sortimente aufgenommen werden. "Da können jetzt kleinere Brauer nachrücken", sagte Andreas Stöttner vom Verband mittelständischer Privatbrauereien in Bayern.<BR><BR>Tatsächlich baut man etwa bei Edeka "intensiv auf Mehrweg", wie ein Sprecher der Kette erklärt. Und dabei könnten auch die Anbieter vor Ort gute Chancen haben. "Wir haben standortbezogene Sortimente bei Fleisch und Wurst, aber auch im Getränkebereich."<BR><BR>Dennoch bleibt bei den Brauern Skepsis. Zweistellige Zuwachsraten bestätigt Jürgen Schott, Sprecher der Klosterbrauerei Andechs. Das aber vor allem wegen der "sensationellen Temperaturen im Sommer". Man stehe nicht in Konkurrenz zum billigen Dosenbier. Oder wie es bei der Brauerei Maisach heißt: "Leute, die ein Dosenbier saufen, werden jetzt nicht auf hochqualitative Biere ausweichen." Und zum Oberklassen-Segment dürfen sich die meisten kleinen Brauer in Bayern zählen. "Wir haben überhaupt nicht profitiert", heißt es auch bei der Miesbacher Weißbierbrauerei Hopf. "Wir haben uns nur geärgert, weil das Leergut zwischenzeitlich knapp geworden ist."</P><P> </P>

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