,Dotcoms heute mit beiden Beinen am Boden

- München - Von der einst gerühmten "New Economy" ist heute nichts mehr übrig. Das Gros der während des Internet-Booms gegründeten Unternehmen fuhr gegen die Wand - im Jahr 2000 war es noch verpönt, gewinnorientiert zu wirtschaften. Die wenigen, die trotzdem überlebten, zählen heute zur "Old Economy" und stehen weitgehend mit beiden Beinen auf dem Boden:

Amazon

Als der US-Amerikaner Jeff Bezos 1995 Amazon gründete, hätte er wohl nicht gedacht, dass einmal Bob Dylan bei einer Firmenfeier vor 2500 Gästen auftritt. Beim 10-jährigen Jubiläum letzten Samstag war es so weit. Denn das Internet-Kaufhaus, das neben Büchern auch CDs, DVDs oder Unterhaltungselektronik anbietet, kann sich heute Extravaganz erlauben: Seit 2003 werden Gewinne geschrieben; der Umsatz erreichte 2004 mit 6,9 Milliarden Dollar einen Rekordwert. "Amazon ist immer einen Schritt weiter", begründet Scott Devitt von der Investmentfirma Legg Mason Wood Walker den Erfolg. Vor allem beim Service setzte der E-Commerce-Gigant Standards im Netz.

Ebay

In einem unterscheidet sich Ebay von allen Dotcoms: Die Auktionsplattform, 1995 in den USA geboren, arbeitete vom ersten Tag an profitabel. Nach wie vor verdient sie gut an Gebühren und Provisionen der mittlerweile 65 Millionen aktiven Kunden, die alles ersteigern, was nicht niet- und nagelfest ist: Kühlschränke, Flugzeuge, den Golf von Papst Ratzinger. Im ersten Halbjahr 2005 stieg der Umsatz auf 2,1 Milliarden (Vorjahr: 1,5 Mrd.) Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag berichtete. Der Gewinn legte von 390 auf 547 Millionen Dollar zu. Damit widerlegte Ebay die Bedenken von Analysten, es sei kein Wachstum mehr möglich. Die Aktie gewann 17 Prozent.

Yahoo

Im Jahr 1994 hieß Yahoo noch "Jerry's and David's Guide to the Internet". Die beiden US-Studenten veröffentlichten auf der Website zunächst nur Adressen ihrer liebsten Internetangebote. Der kommerzielle Nachfolger, seit 1996 an der Börse, bietet um einiges mehr: Bei Yahoo finden die 345 Millionen Besucher sowohl Nachrichten als auch eine Suchmaschine, E-Mail, Chats, Kleinanzeigen oder Musik zum Downloaden. Für einige dieser Dienste müssen die Nutzer mittlerweile bezahlen. Dadurch ist es Yahoo gelungen, die Abhängigkeit von Erlösen durch den Verkauf von Werbeflächen zu reduzieren, die 2001 und 2002 stark eingebrochen waren. Nicht zuletzt dank dieser Strategie konnte das Unternehmen am Mittwoch gestiegene Umsätze und Gewinne für das 2. Quartal vermelden (wir berichteten).

Google

Im Internet etwas suchen? Viele Surfer nennen das "googlen". Anerkennend sagt Thilo Gorlt, Analyst bei der Bayerischen Landesbank: "Die haben es geschafft, das zum Synonym zu machen." "Die" sind die Stanford-Doktoranden Larry Page und Sergej Brim, die einen Suchalgorithmus entwickelten, der als konkurrenzlos gut gilt. Eine entsprechend hohe Treffergenauigkeit liefert die von ihnen gebaute Internet-Suchmaschine Google, seit Sommer 1999 im Netz. Im Frühjahr schaffte es das Unternehmen in die Liste der 100 - gemessen an der Marktkapitalisierung - größten Unternehmen (Platz 92). Seit dem Börsengang im August 2004 kennt der Google-Kurs nur den Weg nach oben - ebenso wie Gewinn (2004: 369 Mio. Dollar) und Umsatz (2004: 3,18 Mrd. Dollar).

Web.de AG

Den Weg der deutschen Web.de AG sehen manche Branchen-Experten "kritisch". Denn die Karlsruher Firma hat kürzlich das profitable und fast zehn Jahre alte Portal Web.de an die United Internet AG (u. a. GMX, 1&1) verkauft. Den Erlös von 350 Millionen Euro investiert das Unternehmen, das sich künftig Combots AG nennt, in ein anderes - bislang defizitäres - Geschäftsfeld, wie jetzt verkündet wurde: die Webtelefonie. In den nächsten Monaten soll ein Produkt vorgestellt werden, das seinen Nutzern die Kommunikation mittels Telefon, Handy und PC erlaubt, sagte ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung.

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