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Der Italiener Mario Draghi (63) soll neuer Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) werden.

Draghi als neuer EZB-Chef nominiert

Brüssel - Bei der Spitzenpersonalie für die Zentralbank sind sich die Euroländer ausnahmsweise einig - sie nominierten den Italiener Draghi als neuen “Mr. Euro“. Kritiker bemängeln, dass er aus einem hoch verschuldeten Land kommt.

Der Italiener Mario Draghi (63) soll neuer Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. Die Finanzminister des Eurogebiets nominierten am Montagabend in Brüssel den italienischen Notenbank-Chef als Nachfolger von Jean-Claude Trichet, der Ende Oktober ausscheiden wird.

Es gab keinen weiteren Kandidaten, sagte der Vorsitzende der Finanzminister der Eurozone, Luxemburgs Jean-Claude Juncker.

Draghi würde als dritter Präsident nach dem Niederländer Wim Duisenberg und dem Franzosen Trichet die Zentralbank führen. Die EZB ist neben der amerikanischen Federal Reserve weltweit die wichtigste Notenbank - zuständig für die Währung von 17 Ländern mit rund 330 Millionen Einwohnern. Der Notenbankchef gilt als “Mr. Euro“, der die Gemeinschaftswährung nach außen vertritt. Der Italiener hat auch die Unterstützung aus Berlin.

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Ursprünglich wollte Deutschland zwar den damaligen Bundesbank-Chef Axel Weber als obersten Währungshüter des gemeinsamen Euro-Währungsraums installieren. Seine lautstarke Kritik an der Krisenpolitik der EZB, insbesondere am Kauf von Staatsanleihen zur Rettung hoch verschuldeter Länder, isolierte Weber aber, der schließlich sein Amt und damit auch mögliche EZB-Ambitionen aufgab.

Die EU-Staats- und Regierungschefs werden bei ihrem Gipfeltreffen am 24. Juni endgültig über die Spitzenpersonalie entscheiden. Zuvor muss noch das Europaparlament angehört werden; auch die EZB hat das Recht zu einer Stellungnahme.

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Kritiker vor allem in Deutschland bemängeln, dass Draghi aus einem hoch verschuldeten Euro-Land stammt. Kenner beschreiben den Bank- und Finanzexperten aber als ausgezeichneten Fachmann und siedeln ihn eher unter den geldpolitischen Hardlinern (“Falken“) an denn unter den “Tauben“, die eine lockere Geldpolitik bevorzugen.

Ähnlich wie Weber hatte sich auch Draghi kritisch über das Aufkaufprogramm für Staatspapiere geäußert, weil er die Unabhängigkeit der Zentralbank in Gefahr sieht.

dpa

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