Dramatischer Exporteinbruch in Sicht

Berlin - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag ( DIHK ) erwartet in diesem Jahr einen dramatischen Einbruch der deutschen Exporte um 17 Prozent.

Die am Dienstag veröffentlichte DIHK -Prognose basiert auf einer Umfrage unter allen Auslandshandelskammern (AHKs) in über 80 Ländern. 2010 erholt sich der Außenhandel demnach wieder, aber nur leicht. Erwartet wird ein Plus von vier Prozent. Das entspräche etwa dem erwarteten Zuwachs des gesamten Welthandels. In absoluten Werten rechnen die AHKs im laufenden Jahr mit Ausfuhren von gut 815 Milliarden Euro. Für 2010 werden knapp 850 Milliarden Euro prognostiziert. Zum Vergleich: 2008 wurde noch der Rekordwert von 995 Milliarden Euro erzielt. Die größten Impulse für die zaghafte Erholung kommen der Prognose zufolge aus der Europäischen Union (EU). Nach dem Einbruch 2009 legen die Ausfuhren laut DIHK in die EU nächstes Jahr leicht zu, und zwar von knapp 522 Milliarden auf rund 538 Milliarden Euro.

“Export die Triebfeder des Wohlstands“

DIHK -Außenwirtschaftschef Axel Nitschke sagte, die Erholung der Außenwirtschaft werde dieses und kommendes Jahr eine “eher holprige Wegstrecke“. Doch würden wie vor der Krise wieder gute Signale für den Arbeitsmarkt ausgesendet. “Auf den Punkt gebracht: Der Export ist und bleibt für Deutschland die Triebfeder des Wohlstands.“ Rund 65 Prozent aller Exporte werden von den 26 EU-Staaten abgenommen. Der wichtigste Abnehmer deutscher Ausfuhren bleibt Frankreich: 2008 hatten die Exporte dorthin fast die Marke von 100 Milliarden Euro erreicht, dieses Jahr dürften es nur 84 Milliarden Euro werden. Auch 2010 sieht es nicht viel besser aus; erwartet wird ein kleiner Zuwachs auf rund 85 Milliarden Euro. Hinter Frankreich folgen die Niederlande, die USA und Italien, in die Deutschlands Wirtschaft Güter im Wert von jeweils knapp 60 Milliarden Euro exportiert. Die Schwellenländer China und Indien halten sich laut DIHK gut. “China könnte sogar Deutschland den Titel des Exportweltmeisters abjagen, da seine Exporte 'nur' um 15 Prozent schrumpfen“, erklärte der DIHK . Die Zahlen für Russland und Brasilien sackten hingegen stark ab.

Auch Rückschlag bei den Importen

Auch die Importe erleiden der DIHK -Prognose zufolge dieses Jahr einen Rückschlag von minus 14 Prozent. Grund seien in erster Linie die tiefe Rezession, aber auch die rückläufige Nachfrage nach Vorleistungen durch die Exportindustrie sowie der starke Rückgang der Energiepreise. Nächstes Jahr vermehren sich die Einfuhren der Prognose zufolge leicht um vier Prozent. Wie erstmals im Jahr 2008 nehmen die Niederlande mit 61 Milliarden Euro auch in diesem Jahr Position eins als Lieferant von Waren nach Deutschland ein. Es folgen Frankreich (59 Milliarden) und China (58 Milliarden). Das Netz der deutschen Auslandshandelskammern erfasst insgesamt rund 98 Prozent der deutschen Warenaus- und Wareneinfuhren. Die Umfrage fand im Juni/Juli statt. Optimistischer als der DIHK zeigte sich der Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. “Focus Money“ sagte der Ökonom: “Ich bin mir sicher, dass wir in ein bis zwei Jahren schon wieder das hohe Niveau der Experte der Jahre 2007/2008 erreichen werden.“

ap

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Investor interessiert am insolventen Küchenbauer Alno
Pfullendorf (dpa) - Für die Belegschaft des insolventen Küchenbauers Alno gibt es wieder etwas Hoffnung. In der kommenden Woche würden Gespräche geführt mit einem …
Investor interessiert am insolventen Küchenbauer Alno
BMW verärgert über Kronzeugenanträge von Daimler und VW
München (dpa) - BMW ist verärgert über die Anträge von Daimler und Volkswagen, im Fall des Kartellverdachts gegen die deutsche Autoindustrie als Kronzeugen zur …
BMW verärgert über Kronzeugenanträge von Daimler und VW
Kaufhof-Mutter HBC trennt sich von Chef Storch
Die Warenhauskette Kaufhof steckt in der Krise - wie auch die kanadische Mutter HBC. Nun verlässt HBC-Chef Storch den Konzern. Kaufhof gibt sich gelassen.
Kaufhof-Mutter HBC trennt sich von Chef Storch
EU-Kommission erwartet Aufholjagd bei schnellem Internet
Europa hängt bei Zukunftstechnologien in wichtigen Bereichen hinterher. Doch nach dem jüngsten EU-Gipfel können Online-Shopper und Nutzer des mobilen Internets hoffen.
EU-Kommission erwartet Aufholjagd bei schnellem Internet

Kommentare