Eon dreht die Gaspreis-Schraube zurück: Kunden zahlen weniger

- München -­ Noch vor wenigen Monaten schien es, als würden die Energiepreise immer weiter nach oben klettern. Doch jetzt ist dieser Trend umgekehrt. Eon-Chef Wulf Bernotat kündigte für Mai die zweite Gaspreissenkung in diesem Jahr an ­ um bis zu 8,4 Prozent. Auch die Strompreise sollen fallen.

Die gute Nachricht kommt in Südbayern nur mittelbar an. Keiner der sieben regionalen Gasversorger des Konzerns hat hier sein Revier. Doch auch Eon-Ruhrgas, als größter deutscher Gasimporteur will seine Gaspreise für Regionalversorger, Stadtwerke und Industriekunden senken. Entsprechend hat Erdgas Südbayern als größter Verteiler im ländlichen Oberbayern für Mai ebenfalls eine Senkung der Preise angekündigt. Der Umfang allerdings steht noch nicht fest, wie eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung sagte.

Die neue Billig-Tochter hat bereits 15 000 Kunden

Die Stadtwerke München dagegen, die neben der Landeshauptstadt auch einige Umlandgemeinden mit Gas versorgen, belassen es bei der für April angekündigten Senkung. Immerhin sollem dabei die Preise im Stadtgebiet um bis zu 14 Prozent fallen. Stadtwerke-Kunden außerhalb zahlen bis zu zehn Prozent weniger.

Damit löst die Branche allerdings nur ein, was sie verprochen hatte. Wegen Koppelung des Erdgasmarktes an den für Erdöl waren die Preise in den letzten Jahren rasant nach oben geklettert. Entsprechend müssen die Versorger, die unter Beobachtung stehen, nun auch die Senkung des Ölpreisniveaus an die Verbraucher weitergeben.

Auch die Strompreise werden in nächster Zeit zurückgehen. Nachdem die Strom-Großhandelspreise gefallen seien, werde der Rückgang im nächsten Schritt auch den Endkunden zugute kommen, kündigte Bernotat an.

Als Wilderer im Stammrevier der anderen Gebietsversorger hat Eon bereits erste Erfolge zu verzeichnen. In den ersten Wochen der Vertriebstochter "E" seien bereits rund 15 000 Kunden gewonnen worden. Die neue Tochter des Konzerns bietet bundesweit Strom und Gas an. Den Erfolg sieht Bernotat als Beleg dafür, dass der Wettbewerb funktioniert.

Gegen die Abtrennung der Netze von den Stromkonzernen, wie er der EU-Kommission vorschwebt, stellt Eon das Modell eines Kernmarktes aus Frankreich, den Benelux-Staaten, Österreich, der Schweiz und Deutschland entgegen. Außerdem habe Eon der Kommission konkrete Vorschläge zur notwendigen Regulierung gemacht.

Auch an einer anderen Front muss Eon nun kämpfen: Bei der Übernahme des spanischen Versorgers Endesa spürte der Konzern heftigen Gegenwind, nachdem der italienische Enel-Konzern ankündigte, knapp 25 Prozent an Endesa zu kaufen. Nachdem der spanische Mischkonzern Acciona bereits ein Paket von 21 Prozent hält, wird die von Bernotat angestrebte Mehrheitsübernahme schwierig.

Es bestehe durchaus die Möglichkeit, sagte Bernotat vorsichtig zu den Chancen, dass sein Vorhaben gelingt.

Von der Zahlenform steht Eon nach wie vor prächtig da. Der Umsatz hat im Jahr 2006 um 21 Prozent auf 67,8 Milliarden Euro zugelegt. Der Reingewinn stieg bereinigt um Sondereffekte um 20 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Die Dividende soll um 60 Cent auf 3,35 Euro angehoben werden.

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