EZB dreht an der Zinsschraube - in aller Stille

- Frankfurt - Dieses Mal hat es die Europäische Zentralbank (EZB) leicht. Ganz ohne politisches Getöse und ohne die Einmischung der Euro-Finanzchefs kann die Notenbank am morgigen Donnerstag zum zweiten Mal in drei Monaten den Leitzins erhöhen. Der Zinsschritt von 2,25 auf 2,5 Prozent würde sich in aller Stille vollziehen. Das war im Dezember 2005 noch ganz anders gewesen: Damals hatten Gewerkschaften und Politiker vor einer "Katastrophe für die Wirtschaft" gewarnt. Jetzt haben sich die Gemüter beruhigt, denn die Katastrophe ist ganz offenkundig ausgeblieben.

"Sogar die Skeptiker haben inzwischen erkannt, dass die Wirtschaft auf Erholungskurs ist", sagt der Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. "Es wäre daher unangebracht, die Zinsen auf dem Notfall-Tief von 2,0 Prozent zu lassen." Im Dezember hatte sich diese Entwicklung noch nicht so klar abgezeichnet. Die Aufregung vorher war groß, weil EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in seiner Amtszeit noch nie die Zinsen bewegt hatte und weil der Leitzins seit zweieinhalb Jahren auf der historisch niedrigen Zwei-Prozent-Marke verharrt war. Jetzt hat Trichet klare Signale ausgesandt. "Der EZB-Präsident hat erfolgreiche Überzeugungsarbeit geleistet und daher leichtes Spiel", sagt Michael Schubert von der Commerzbank.

Es fällt der Notenbank leicht, Argumente für die erneute Zinserhöhung zu liefern. Die Konjunktur in Europa läuft trotz der Wachstumsdelle zum Jahreswechsel besser. Selbst in der größten Euro-Volkswirtschaft Deutschland ist die Stimmung so gut wie seit Jahren nicht mehr. Das Inflationsrisiko ist gestiegen, weil günstige Kredite immer mehr Geld in den Umlauf pumpen und zum Beispiel die Preise für Häuser und Wohnungen in die Höhe treiben. Der hohe Ölpreis wird auch in diesem Jahr die Inflation über der von der EZB definierten Zwei-Prozent-Marke für Preisstabilität halten. Eine Zinserhöhung bedeutet für die Verbraucher, dass sich Kredite verteuern, gleichzeitig können Sparer und Anleger aber auf ein höheres Zinseinkommen hoffen.

Die meisten Volkswirte rechnen mit weiteren Zinsanhebungen bis auf 3,0 Prozent zum Jahresende. Zwischen den einzelnen Schritten werde die Notenbank Pausen von jeweils drei Monaten einlegen.

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