Drei Jahre müssen reichen für das Jahrhundertwerk

- München - Wolfgang Sprißler hat noch drei Jahre Zeit. So lange läuft sein Vertrag und bis dahin will er die nicht immer ganz rund laufende Integration von HypoVereinsbank und deren neuer italienischer Mutter abgeschlossen haben. Und er ist guter Dinge, dass dieses Projekt zu schaffen ist. Sprißler, ehemals Finanzvorstand und heute Vorstandschef, ist seit 30 Jahren im Unternehmen und hat die schlagzeilenträchtige Fusion zwischen der alten Hypo-Bank und der Bayerischen Vereinsbank miterlebt.

Da können ihn "Nebengeräusche mit Auswechselspielern" im heutigen Fusionsprozess nicht nachhaltig irritieren. "Jeder Abgang aus dem Top-Management ist einer zu viel" - mehr will der HVB-Chef aber auch nicht sagen zum öffentlichkeits-wirksamen Ausscheiden mehrerer Vorstandsmitglieder (unter anderem Privatkundenchefin Christine Licci, Investmentbanker Stefan Jentsch und Riskmanager Michael Kemmer).

Einem unsensiblen Vorgehen der Italiener die Schuld an der Personalrochade zu geben, ist Sprißler "zu platt". "Es ist ein Anpassungs- und Lernprozess auf beiden Seiten. Der kann nicht nach ein paar Monaten abgeschlossen sein", sagt er. Und: "Wir machen hier ein Jahrhundertwerk."

Immer wieder werde unterstellt, die Existenz des Deutschland-Geschäfts stehe in Frage, ärgert sich Sprißler. Auch Unicredit-Chef Alessandro Profumo reagiere zunehmend genervt darauf. Der italienische Konzernlenker habe mehrfach gesagt, Deutschland sei der Schlüsselmarkt für die gesamte Gruppe und hat einen Verkauf kategorisch ausgeschlossen. "Das Geschäft in Deutschland abzustoßen wäre absolut unsinnig", meint auch Sprißler.

Im Gegenteil stünden die Zeichen eher auf Expansion. So ist die HypoVereinsbank im Bieter-Rennen um die Berliner Bank und behält weitere Möglichkeiten für Zukäufe im Auge. Zwar soll die Fusion Einspareffekte von einer Milliarde Euro vor Steuern bringen. Doch insgesamt sei sie "eine Wachstumsstory". "Wir wollen und wir müssen wachsen", sagte der HVB-Chef. Es werde auch keinen Abbau über die bereits angekündigten 1800 Arbeitsplätze hinaus geben, bekräftigte er. Die Filialen und der Vertrieb seien davon ohnehin nicht betroffen. Hier würden eher noch Stellen aufgebaut. Im Firmengeschäft habe die Zahl der neu gewonnenen Kunden die der abtrünnigen ausgeglichen, wobei sich die Qualität des Geschäfts häufig verbessert habe. Auch bei Privatkunden sei die Bilanz positiv.

Wolfgang Sprißlers Lebensplanung war eigentlich auf Ruhestand eingestellt. Aus Pflichtgefühl, so der 60-Jährige, habe er den Chefposten übernommen, als sein Vorgänger Dieter Rampl in den Verwaltungsrat von Unicredit wechselte. Mittlerweile empfinde er die Aufgabe als packend und fordernd. Anders als Rampl will Sprißler zwar kein Italienisch mehr lernen. Doch mit Profumo verstehe er sich auch auf Englisch bestens.

Sprißler will nach eigener Aussage viel bewegen in den kommenden drei Jahren, mitwirken an der Vision, eine europäische Bankengruppe zusammenzuschweißen.

Sprißler selbst ist von den Vorzügen der Fusion vollauf überzeugt. Verbesserte Kommunikation soll jetzt auch die Mitarbeiter dafür begeistern. Dazu will der passionierte Tischtennisspieler ("mit Neigung zum kontrollierten Angriff") eine Art Charme-Offensive in den Filialen starten und samt Vorstandskollegen in die Region ausschwärmen. Für das Werben bei den Mitarbeitern sei ihm in den ersten beiden Monaten im Amt noch "zu wenig Zeit geblieben".

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