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Die Pleite von Qimonda beutelt auch den Mutterkonzern Infineon. „Die Belastungen treffen uns, sie sind aber nicht bedrohlich“, erklärte dazu das Unternehmen.

Qimonda-Insolvenz

Drei Monate Zeit für eine Rettung

München – Die Pleite des Speicherchip-Herstellers Qimonda trifft auch den Mutterkonzern Infineon. Durch die Notlage seines Ablegers mit dem Hauptwerk in Dresden drohen dem tief in der Verlustzone steckenden Münchner Halbleiterkonzern weitere Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Für Abfindungen, Kartellverfahren oder die Rückzahlung von öffentlichen Fördermitteln könnte Infineon nach der Pleite von Qimonda zur Kasse gebeten werden. Dies dürfte die ohnehin angespannte Finanzlage bei Infineon weiter verschärfen. „Die Belastungen treffen uns, sie sind aber nicht bedrohlich“, sagte ein Infineon-Sprecher.

Trotz wochenlanger Rettungsbemühungen musste Qimonda mit weltweit rund 12 000 Beschäftigten am Freitag Insolvenz beantragen. In Deutschland sind durch die Pleite 3200 Arbeitsplätze im größten Werk in Dresden und weitere 1400 Jobs am Firmensitz in München in Gefahr. Die gesamte Chip-Branche leidet unter starkem Preisverfall und spürt voll die Wirtschaftskrise.

Die Dresdner Mitarbeiter des zahlungsunfähigen Chipherstellers Qimonda sollen am morgigen Dienstag auf einer Betriebsversammlung über das Insolvenzverfahren informiert werden. Auch die Münchner Mitarbeiter sollen „zeitnah“ den Stand der Dinge erfahren, erklärte ein Qimonda-Sprecher gegenüber unserer Zeitung.

Es solle wieder Ruhe in die Belegschaft gebracht werden, bestätigte der Sprecher von Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Jaffé habe drei Monate Zeit, ein Konzept für die Restrukturierung des Unternehmens vorzulegen. In der kommenden Woche seien auch Gespräche mit der sächsischen Regierung geplant.

Infineon werde Rückstellungen über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag bilden, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Ein Teil der Lasten soll bereits im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal, das bis Ende Dezember lief, verbucht werden. Analysten schätzen die Schadenssumme auf bis zu 280 Millionen Euro.

Vor allem durch die hohen Verluste bei seiner Ex-Sparte Qimonda war das Eigenkapital des Konzerns im vergangenen Geschäftsjahr ohnehin schon um mehr als die Hälfte auf nur noch knapp zwei Milliarden Euro geschrumpft. Nach Angaben des Infineon-Sprechers muss das Unternehmen bis 2010 zudem zwei Anleihen zurückzahlen, die insgesamt knapp 700 Millionen Euro ausmachen. Der „Spiegel“ berichtete zuvor von insgesamt über 900 Millionen Euro. Zudem müssten Kredite in Höhe von rund 300 Millionen Euro verlängert werden, wie der Sprecher bestätigte.

Das Infineon-Management will die Aktionäre des im Deutschen Aktien-Index (Dax) notierten Unternehmens bei der Hauptversammlung am 12. Februar um eine Kapitalaufstockung bis zu 450 Millionen Euro bitten. Doch die dürfte nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Qimonda vorerst kaum möglich sein. Denn die neuen Hiobsbotschaften haben den Kurs der Infineon-Aktien in den vergangenen Tagen auf unter einen Euro – und damit deutlich unter den für die Kapitalerhöhung nötigen Wert von zwei Euro gedrückt. Am Freitag fielen die Infineon-Papiere am Dax-Ende um fast fünf Prozent auf 0,68 Euro.

„Bei Qimonda muss es schnell zu einer Lösung kommen“, drängte Torsten Thieme vom Vorstand des Halbleiternetzwerks „Silicon Saxony“ in Dresden. In dieser Branche werde Vorsprung oder Rückstand in Monaten oder gar Wochen gemessen. Die Pleite des Unternehmens könne eine Lawine auslösen. „Qimonda ist ein Knotenpunkt. Da gibt es viele Zulieferer.“

mm/dpa

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