Dreifachfenster-Pflicht für Neubauten: Mehrkosten für Häuslebauer und Mieter

Für neue Wohngebäude sollen in Zukunft dreifach verglaste Fenster und besser isolierte Kellerdecken notwendig sein. Das sieht ein Entwurf für die neue Energie-Einsparverordnung vor, der unserer Zeitung vorliegt. Experten fürchten nun Mehrkosten für Häuslebauer sowie steigende Mieten.

Die geplante neue Energie-Einsparverordnung soll die bereits mehrfach verschärften Anforderungen an die Wärmedämmung von Neubauten noch einmal hochschrauben: So ist künftig der Einbau von dreifach verglasten Fenstern unvermeidlich. Außerdem müssen nach den Plänen auch Kellerdecken isoliert werden. Allerdings gelten für Altbauten weiterhin die bisherigen Regelungen. Außerdem will die Bundesregierung Informationspflichten über den Energiebedarf beispielsweise von Mietwohnungen verschärfen.

Vor allem die strengeren Maßstäbe an künftige Neubauten treiben voraussichtlich die Baukosten in die Höhe. Daran entzündet sich Kritik. „Isolierte Kellerdecken haben bei Altbauten Sinn“, sagt Rudolf Stürzer, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins München. Da verhindern sie, dass die Wärme aus dem Wohnbereich über schlecht isolierte Keller entweicht. Wenn aber der Keller in einem Neubau schon wärmegedämmt ist, stehen nach Stürzers Einschätzung die Kosten der zusätzlich isolierten Kellerdecke in keinem Verhältnis zur eingesparten Energie.

Auch Heinrich Traublinger, Präsident des Bayerischen Handwerkstags, mahnte an, darauf zu achten, „dass die entstehenden Mehrkosten für den Hausbauer den energetischen Nutzen nicht übersteigen“.

„Man sollte die Entscheidung den Eigentümern überlassen“, sagt Stürzer. Denn die Kosten trägt am Ende der Nutzer. Er befürchtet höhere Kosten für Eigentümer, die ihr Haus oder ihre Wohnung selbst bewohnen und steigende Mieten. „Am Ende zahlt der Nutzer“, sagt er.

Das aber bezweifelt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. „Die Miethöhe bei Neubauten orientiert sich am Markt und nicht an den Kosten“, sagt er. „In München sinken die Mieten ja auch nicht, wenn die Baukosten fallen.“ Das bestätigt auch eine Einschätzung des bayerischen Baugewerbes zur neuen Verordnung. Schon derzeit könnten die Kosten für eine energetische Modernisierung nur zu einem geringen Teil an die Mieter weitergegeben werden, heißt es in einer Erklärung.

Dass die Kosten der zusätzlichen Maßnahmen höher ausfallen als die sinkenden Energiekosten, räumt sogar die Bundesregierung ein. Steigerungen der Gesamtwohnkosten werden „durch die eingesparten Energiekosten der Nutzer nicht immer kompensiert“, heißt es zurückhaltend im Entwurf. Hausbesitzervertreter Stürzer formuliert das Missverhältnis klarer. Erhebungen hätten ergeben, dass die Mehrkosten das Doppelte bis Dreifache der eingesparten Energiekosten betragen. Dieses Verhältnis würde nach den Verschärfungen sogar noch ungünstiger ausfallen.

Immerhin ein Punkt wirkt auch entlastend: Wer energiesparende Wärmepumpen, Brennwertheizungen oder Holzpelletkessel einbaut und diese mit Solaranlagen kombiniert, soll im Gegenzug künftig bei der Dämmung sparen dürfen.

Baugewerbe, Hausbesitzer und Mieter verfolgen eigentlich unterschiedliche Interesse, sind sich aber in einem Punkt einig: Um die Energiebilanz in Gebäuden zu verbessern, braucht man nicht neue Vorschriften, sondern Anreize – beispielsweise Investitionszulagen oder eine steuerliche Förderung.

Bisher handelt es sich um einen internen Entwurf der Ministerialbürokratie, der nicht mal den Abgeordneten vorliegt. Im Parlament dürften einige Punkte noch verändert werden – vielleicht auch die Dreifachverglasung. Man müsse schon auch den „Maßstab der wirtschaftlichen Vertretbarkeit“ anlegen, mahnt der FDP-Wohnungsbaupolitiker Sebastian Körber. Seine Regierungsfraktion werde einen Sanierungszwang im Bestand ohnehin ablehnen. Aber auch bei Neubauten „sind die Spielräume für eine Verschärfung begrenzt, denn zu strenge Energieauflagen werden Investoren von eigentlich sinnvollen Modernisierungsmaßnahmen abhalten“, warnt Körber. „Das schadet am Ende den Zielen der Energieeinsparung und des Klimaschutzes.“

Martin Prem, Steffen Habit und Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © dpa

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