Dresdner Bank belastet - Die Allianz muss ihre Ziele kippen

München - Die Allianz geht in die Knie. Dieses Jahr sind die Profite mit Versicherungen rückläufig, 2009 sollen sie stagnieren. Die Tochter Dresdner Bank schreibt tiefrote Zahlen. Ihre Zukunft bleibt ungewiss.

Der Münchner Finanzriese Allianz muss vor allem wegen neuen Verlusten seiner Tochter Dresdner Bank zurückrudern und revidiert alle Gewinnprognosen für das laufende Jahr sowie 2009. Die zunehmend auf die Realwirtschaft übergreifende Krise der Finanzmärkte hinterlasse auch im eigenen Haus unübersehbare Spuren, räumte Konzernchef Michael Diekmann ein. Das bisherige Ziel, dieses und nächstes Jahr den operativen Gewinn im Schnitt um ein Zehntel zu steigern, kassierte er.

Insbesondere das Bankgeschäft, das im zweiten Quartal operativ 566 Millionen Euro Verlust brachte, sei unplanbar geworden, sagte Diekmann. Für die operativen Gewinne seines Konzerns sagte er deshalb unter ausdrücklichem Ausschluss der Dresdner Bank für 2008 und 2009 nur noch ein Minimum von neun Milliarden Euro voraus. 2007 lagen die so berechneten Gewinne bei gut zehn Milliarden Euro. Selbst ohne Dresdner kalkuliert die Allianz also nun für dieses Jahr mit gut einem Zehntel weniger Profit sowie Stagnation im Jahr darauf. Im internationalen Vergleich stehen die Münchner damit dennoch nicht schlecht da. Der weltgrößte Versicherer American International Group hat für das zweite Quartal 2008 soeben über fünf Milliarden Dollar Verlust bekanntgegeben. Bei der Allianz war lediglich die Dresdner defizitär und das Geschäft mit Versicherungen trotz Einbußen weiter gut profitabel.

Insgesamt brach der Halbjahresüberschuss um die Hälfte auf 2,7 Milliarden Euro ein. Um die Profite nicht weiter verfallen zu lassen, habe man auf margenschwaches Geschäft verzichtet, was bis Ende Juni zu nur noch 53,7 Milliarden Euro und damit gut sieben Prozent weniger Umsatz geführt habe, sagte Diekmann. Er habe sich zur Korrektur bisheriger Prognosen durchgerungen, weil an den Finanzmärkten keine Besserung in Sicht sei. Insgesamt habe die seit einem Jahr global tobende Krise die Allianz bislang knapp drei Milliarden Euro gekostet, ergänzte Finanzvorstand Helmut Perlet. Falls die Börsen nochmals um ein Zehntel verfielen, würde das weitere 800 Millionen Euro Abschreibungsbedarf auslösen.

Vom schon eingetretenen Verfall der Aktienmärkte seien vor allem auch fondsgebundene Lebensversicherungen getroffen. Was das für die Renditeaussichten Versicherter bedeutet, blieb offen. Die dafür zuständige Allianz Leben sei für stabile Überschussbeteiligungen bekannt, meinte Diekmann lediglich. Am stärksten leide aber die jüngst von der Restbank abgespaltete Investmentbank Dresdner Kleinwort, die allein im zweiten Quartal erneut 627 Millionen Euro Verlust verbucht hat, stellte Perlet klar. Wie deren Zukunft und die der verbleibenden Dresdner Bank aussieht, ließen er und Diekmann weiter offen. Ein Ende der Hängepartie um die "Dreba" ist damit nicht in Sicht. Seit vielen Monaten wird hinter den Kulissen gerungen, wobei zuletzt ein Verkauf beider Teilbanken immer wahrscheinlicher wurde.

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