Dresdner Bank beschert Allianz Milliardenverlust

München - Das Debakel um die Dresdner Bank und die Finanzkrise haben Europas größten Versicherer Allianz im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone gerissen. Unter dem Strich fuhr der Konzern ein Minus von 2,4 Milliarden Euro ein.

Es ist der zweite Jahresverlust in der 119-jährigen Geschichte des Konzerns. Im Vorjahr war die Allianz mit 8 Milliarden Euro Gewinn noch das bestverdienende deutsche Unternehmen. Eine Prognose für das laufende Jahr wagte Allianz-Chef Michael Diekmann am Donnerstag in München nicht. “Die schwierigen Bedingungen am Kapitalmarkt werden auch 2009 anhalten. Wir befinden uns im stärksten Wirtschaftsabschwung seit Jahrzehnten“, erklärte er. “Zuverlässige Aussagen über Erträge im Jahr 2009 sind in diesem Umfeld nicht möglich.“

Auch im fortgeführten Geschäft ohne die Dresdner Bank brach der Überschuss des Konzerns von 7,3 Milliarden Euro im Vorjahr auf 4 Milliarden Euro ein. Im Januar hatte die Allianz den Verkauf der Dresdner an die Commerzbank über die Bühne gebracht - mehr als ein halbes Jahr früher als ursprünglich geplant. Die Belastungen durch die ehemalige Tochter schlugen im vergangenen Jahr mit 6,4 Milliarden Euro zu Buche. Darin sind operative Verluste der Bank von 2,1 Milliarden Euro enthalten sowie Abschreibungen auf den Buchwert von 1,4 Milliarden Euro. Hinzu kamen Verluste von 2,7 Milliarden Euro wegen der veränderten Verkaufsbedingungen und des geringeren Wertes der Commerzbank-Aktien, die die Allianz erhalten hat.

Eigenkapital schrumpft um fast 30 Prozent

Der Versicherer hatte die Dresdner im Jahr 2001 für rund 23 Milliarden Euro übernommen. Nach einem schwierigen Start war die Bank auch über einen drastischen Sparkurs vorübergehend wieder auf die Beine gekommen, dann aber tief in den Strudel der Finanzkrise geraten. Auch in ihrem operativen Geschäft verbuchte die Allianz kräftige Einbußen. Das operative Ergebnis ging von 10,3 Milliarden auf 7,4 Milliarden Euro zurück. Gemessen am Umfeld habe man sich aber noch vergleichsweise gut geschlagen, sagte Diekmann laut Mitteilung. “Die Allianz steht solide da und ist ein finanziell stabiler Partner für Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter.“ Allerdings schrumpfte das Eigenkapital im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent auf 33,7 Milliarden Euro.

Bei der Allianz gab der Umsatz im vergangenen Jahr um 5,3 Prozent auf 92,5 Milliarden Euro nach. Seine Dividende für 2008 will der Versicherer von 5,50 Euro im Vorjahr auf 3,50 Euro je Aktie kappen. Auch in der Lebens- und Krankenversicherung und in der Vermögensverwaltung litt der Konzern unter der Krise. Vor allem wegen der einbrechenden Nachfrage bei fondsgebundenen Produkten schrumpfte das operative Ergebnis in der Lebensversicherung von 3 Milliarden auf 1,2 Milliarden Euro. Aber auch im Kerngeschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen gab das operative Ergebnis um 10 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro nach.

Zuletzt musste der Versicherer für das Jahr 2002 wegen der Krise bei der Dresdner Bank, der damaligen Börsen-Talfahrt und der Jahrhundertflut einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro einstecken. dpa

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