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Die Commerzbank wird die Dresdner Bank schlucken. Bezahlt wird großteils in eigenen Aktien, deren Wertverlust den bisherigen Dresdner-Besitzer Allianz besorgt.

Allianz

Dresdner-Übernahme unter Beschuss

München - Allianz, Dresdner und Commerzbank bilden eine Leidensgemeinschaft. Der Verkauf der Dresdner soll trotz Abschreibungen und Verlusten in Milliardenhöhe nicht scheitern. Dabei kommt es zu einer kuriosen Konstellation, was die Manager-Gehälter in beiden Banken betrifft.

Die Allianz sieht den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank trotz milliardenschwerer Belastungen des Mammutgeschäfts durch die Finanzkrise nicht gefährdet. Der Käufer sei und bleibe zahlungsfähig und die Allianz sehe keinen Anlass nachzuverhandeln, stellte deren Vorstand Helmut Perlet in München klar.

"Wir haben einen unterschriebenen Vertrag", sagte er zum im Sommer noch vor der aktuellen Verschärfung der Bankenkrise beschlossenen Deal, der Anfang 2009 abgewickelt werden soll. Der Kontrakt erlaube kein Zurück mehr.

Wegen massiv verfallener Aktienkurse vor allem bei Banktiteln werden derzeit alle größeren Transaktionen dieser Art extrem kritisch beäugt. Unter Druck steht der Verkauf der Dresdner fraglos. Bislang beteuern aber alle Beteiligten, das aushalten zu können.

Unter Beschuss kommt das Geschäft dabei von mehreren Seiten. So laufen sowohl die unter hohen Abschreibungen leidenden Geschäfte der Commerzbank als auch die der Dresdner schlecht. Die Commerzbank flüchtet unter den staatlichen Bankenrettungsschirm, die Dresdner bringt wachsende Verluste mit in die Bankenehe, die 2008 noch die Allianz belasten. Die Dresdner selbst brauche aber keine Staatshilfe, versicherte Perlet.

In der Praxis bedeutet dies, dass sich die Manager der übernehmenden Commerzbank, allen voran deren Chef Martin Blessing, ab sofort mit Jahresbezügen unter 500 000 Euro bescheiden müssen - so will es das Regelwerk des staatlichen Rettungspaketes. Die Manager der Dresdner Bank, die geschluckt werden soll, können vorerst weiter verdienen, was auch immer der Aufsichtsrat ihnen zubilligt. Zumindest solange, bis die Fusion vollzogen ist und/oder die Allianz die Reißleine zieht.

Von Ärger ums Gehaltsgefälle zwischen den beiden Banken berichtet auch die "FAZ". Nach deren Informationen sollen die Investmentbanker der Dresdner - die ja nicht zuletzt verantwortlich für die Schieflage der Bank sind - Bonuszahlungen über 400 Millionen Euro mit dem Januar-Gehalt überwiesen bekommen: Ein Umstand, der bei den übrigen Dresdner-Beschäftigten und erst recht bei denen der Commerzbank für Verdruss sorgen soll.

Die Abschreibungen der Dresdner Bank haben sich nach Auskunft der Allianz bislang auf gut 3,7 Milliarden Euro aufsummiert und im dritten Quartal 2008 mit einem operativen Fehlbetrag von 834 Millionen Euro zu einem negativen Höhepunkt geführt. Die per Ende September von 9,3 auf 8,1 Prozent abgeschmolzene Kernkapitalquote, die ein Maß für die finanzielle Stabilität eines Kreditinstituts ist, sei aber immer noch komfortabel. Im internationalen Vergleich ist sie gleichwohl unterdurchschnittlich.

Auch leidet die Allianz selbst nicht nur unter der Dresdner Bank, sondern auch unter dem Procedere ihres Verkaufs. Denn bezahlen will die Commerzbank das einmal auf einen Wert von zehn Milliarden Euro angesetzte Geschäft größtenteils in eigenen Aktien.

Die Commerzbank-Papiere sind aber seit Sommer massiv gefallen, was bei der Allianz im dritten Quartal eine milliardenschwere Wertberichtigung ausgelöst hat. Unter dem Strich stand für den Versicherungskonzern ein Quartalsverlust von rund zwei Milliarden Euro (wir berichteten). Alle Gewinnziele für dieses und nächstes Jahr wurden ersatzlos gestrichen. Weitere Milliarden-Abschreibungen sind möglich, wenn sich die Kurse nicht erholen.

Th. Magenheim-Hörmann

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