Der dritte Anton Kathrein steht bereit

Rosenheim - Anton Kathrein wirkt wie ein richtig gemütlicher Bayer mit seinem Vollbart, dem leichten Bauchansatz und dem sympathischen Lächeln. Vielleicht ist er das ja auch. Aber in erster Linie ist er ein äußert erfolgreicher Geschäftsmann: Der Rosenheimer ist persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter der Kathrein-Werke KG, einem international tätigen Unternehmen in der Antennen- und Kommunikationstechnik.

Er hat den Überblick über 57 Tochtergesellschaften, vier Fertigungsstätten in Rosenheim und weiteren zwölf Produktionsstandorten auf fünf Kontinenten und über insgesamt 6500 Mitarbeiter. Heute Rosenheim, morgen Rumänien, am Freitag Las Vegas, so sieht das Leben des 56-Jährigen tatsächlich aus. 190 Tage im Jahr ist er auf Reisen, 350 000 Flugmeilen legt er in dieser Zeit zurück, 80 000 Kilometer fährt er mit dem Auto.

4500 Produkte werden in den Kathrein-Werken hergestellt. Von Satelliten-Empfangsanlagen über Mobilfunk-Basisstationen und TV-Decodern bis hin zur Autoelektronik, Kathrein hat alles im Programm. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen vor allem von der Ausbreitung des Mobilfunks und vom digitalen Fernsehen (DVB-T) profitiert. Jetzt hat sich Kathrein dem bewegten Bild auf dem Mobiltelefon (DVB-H) und der Sicherheitstechnik verschrieben. "Wir haben ein System entwickelt, um Container und ihre Inhalte orten zu können, das sogenannte Container-Tracking." Die Lieferungen haben gerade begonnen.

Kathrein führt das Unternehmen in zweiter Generation. Als sein Vater 1972 starb, steckte er noch im BWL-Studium. "Halbtags" hat er zu der Zeit die Firma geleitet. Ingenieur wie sein Vater werden, das wollte er nicht. "Ich war Realist genug, um zu sehen, dass ich nicht so gut sein kann wie er", zollt er dem Firmengründer Respekt. Internationales Marketing war Kathreins Studienschwerpunkt, und er hat das gelernte Wissen erfolgreich eingebracht: Er war es, der das Unternehmen internationalisiert hat.

Die Kathrein-Unternehmensgruppe ist in vielen Bereichen der Antennentechnik Weltmarktführer und laut Kathrein seit ihrer Gründung 1919 weltweit ältester und größter Antennenhersteller.

Als sei das alles nicht genug, bekleidet Kathrein viele weitere Funktionen: Er ist Vizepräsident des Deutschen Zentralverbands der Elektrotechnik und Elektroindustrie, Vorsitzender der Landesstelle Bayern im Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektroindustrie, Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, Stadtrat und dritter Bürgermeister in Rosenheim, um nur einige zu nennen. Vor allem aber engagiert er sich für die Fachhochschule Rosenheim. Seit 1992 unterrichtet er als Honorarprofessor Betriebswirtschaftslehre.

Seinen Sohn kann das immense Programm des Vaters offensichtlich nicht schrecken. Nach alter Familientradition heißt er Anton. Vor drei Jahren hat der 22-Jährige entschieden, dass er einmal die Leitung des Familienunternehmens übernehmen möchte. Dafür ist er mit dem Studium der Elektrotechnik sicher bestens gewappnet.

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