VW droht Belegschaft indirekt mit Entlassungen

- Wolfsburg - Zwei Wochen vor der Entscheidung über die Produktion des neuen Geländewagens "Marrakesch" hat Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder den Druck auf die Arbeitnehmer deutlich verschärft. Er erklärte zwar, es gebe derzeit keine Absicht, den Haustarifvertrag zu kündigen, der betriebsbedingte Entlassungen bis 2011 ausschließt. Er betonte aber auch, dies wäre für VW der "allerletzte Weg".

Im Haustarifvertrag gebe es "eine Klausel, die sagt, dass wir nachverhandeln können, wenn das wirtschaftliche Umfeld das erforderlich macht", sagte Pischetsrieder der "Welt am Sonntag". Zum Produktionsstandort für den Marrakesch sagte er: "Schaffen wir es, Autos wie den Geländewagen mit einem so hohen USA-Anteil hier wettbewerbsfähig zu fertigen, hat das Modellcharakter für zukünftige Projekte." Derzeit sehe es so aus, als ob die Produktion in Portugal um bis zu 1000 Euro pro Fahrzeug günstiger wäre. Das Werk Wolfsburg bekomme den Zuschlag nur, wenn zu ähnlichen Kosten produziert werden könne. "Wir könnten zum Beispiel das ,Auto-5000-Modell’ anwenden", sagte Pischetsrieder.

IG-Metall-Chef Peters nannte es "nicht zielführend", wenn VW-Mitarbeiter für die Produktion des Marrakesch vom Haustarif heruntergestuft würden. Er könne es sich aber "schlichtweg nicht vorstellen", dass Wolfsburg das Projekt nicht bekomme, sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Am 26. September will Volkswagen entscheiden. Über die Kostensenkung laufen Verhandlungen. Zudem gibt es Gespräche über eine Reduzierung der Personalkosten, bei denen bis 2011 rund 30 Prozent eingespart werden sollen.

Die "Automobilwoche" berichtete unter Berufung auf VW-Führungskreise, die bevorstehende Reform der Produktionsstrukturen könne den Verlust von mittelfristig bis zu 30 000 Arbeitsplätzen zur Folge haben. Gegenwärtig würden insbesondere die Werke, die Komponenten herstellen, überprüft.

Der VW-Konzern soll dem entlassenen Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer mehrere hunderttausend Euro an Kosten erstattet haben. Der Konzern habe Gebauer 2000 dabei insgesamt 264 000 Euro, ein Jahr später 252 000 Euro, 2002 dann 208 000 und 2003 sogar 702 000 Euro überwiesen, berichtet der "Spiegel". In dieses Jahr fiel die teuerste Reise von VW-Arbeitnehmervertretern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gebauer wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue.

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