In der EZB droht neue Debatte um Zinspolitik

Brüssel - In der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) drohen neue Debatten um die Zinspolitik. Ihr Präsident Jean-Claude Trichet verteidigte am Freitag in Brüssel ausdrücklich seinen Kurs, die Finanzkrise nicht zum Anlass für Zinssenkungen zu nehmen.

Gleichzeitig schloss Bundesbankchef Axel Weber - der auch Mitglied des EZB-Rates ist - ein Zinsanhebung nicht mehr aus. "Ich habe immer betont, dass wir angesichts des derzeit sehr kräftigen Preisauftriebs die Option einer Leitzinserhöhung nicht ausschließen dürfen", sagte Weber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag).

Die EZB ließ den wichtigsten Leitzins seit Beginn der Finanzmarktkrise im vergangenen August bei vier Prozent stabil. Insbesondere aus Frankreich waren hingegen Zinssenkungen zur Ankurbelung der heimischen Wirtschaft gefordert worden. Trichet unterstrich, die Geldpolitik sei in erster Linie da, Preisstabilität auf mittlere Sicht zu sichern. Der von hohen Rohstoffpreisen ausgelöste Inflationsanstieg ändere nichts an diesem Ziel.

Weber sagte in dem Interview: "Der Inflationsdruck ist seit vorigem Herbst erheblich gestiegen, die eher milde konjunkturelle Abkühlung wird ihn nicht wesentlich mindern." Weber fügte hinzu: "Vor diesem Hintergrund besteht kein Spielraum für Leitzinssenkungen."

Trichet forderte die EU-Mitgliedsländer auf, in Zukunft mehr für die Beschäftigung zu tun. Zwar seien seit der Einführung des Euro im gemeinsamen Währungsgebiet fast 16 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Es bleibe aber noch viel zu tun. "Europa ist weit davon entfernt, sein ganzes Potenzial für einen weiteren Anstieg der Beschäftigungsrate ausgenutzt zu haben", sagte Trichet. Vor allem für junge und ältere Arbeitnehmer sowie Frauen müsse etwas getan werden.

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