Georg Pachta-Reyhofen,MAN-Chef, hält an ehrgeizigen Zielen fest. Foto: Schlaf

Bei MAN droht wieder Kurzarbeit

München - MAN schickt viele Mitarbeiter für drei Wochen in den Weihnachtsurlaub. Hält die Flaute auf dem Nutzfahrzeugmarkt an, droht bereits im ersten Quartal 2013 Kurzarbeit.

MAN hofft auf ein starkes viertes Quartal. „Wir müssen uns gewaltig anstrengen“, sagt Finanzvorstand Frank Lutz. Denn nur wenn es in den letzten drei Monaten deutlich aufwärtsgeht, kann der Münchner Konzern das Jahr wie geplant mit einem nur „leicht rückläufigen Umsatz“ und einer Umsatzrendite von sechs Prozent (2011: neun Prozent) beenden. Das vierte Quartal ist üblicherweise stärker, sagt Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen, und hofft, dass es auch heuer so kommt.

Der Umsatz von Januar bis September ist um drei Prozent auf 11,5 Milliarden Euro zurückgegangen, das operative Ergebnis von 1,1 Milliarden Euro auf 565 Millionen Euro.

Ein bisschen Hoffnung macht das Südamerika-Geschäft. Dort haben die Umsätze im Oktober leicht angezogen, wie Pachta-Reyhofen sagt. Nach jahrelangen Erfolgen ist dieses Jahr dort bislang schlecht gelaufen. Eine Ursache war die Einführung der Schadstoffnorm Euro V in Brasilien. Weil dies Lkw teurer macht, haben sich viele Kunden noch im letzten Jahr die billigeren älteren Modelle gesichert. Außerdem sei es in Brasilien zu einer Kreditklemme gekommen.

Davon spürt man in Europa noch nichts. Doch die Nachfrage ist im Zug der Euro-Krise eingebrochen. „Es ist kein freier Fall“, versichert aber Nutzfahrzeug-Chef Anders Nielsen. Anders als 2009, als die Nachfrage urplötzlich wegbrach und die unter Hochtouren gebauten Fahrzeuge die Höfe füllten.

Der gegenwärtige Hofbestand in Europa liegt nach den Worten von Lutz bei 8000. Und an diesem „Idealziel“, wie Pachta-Reyhofen sagt, will MAN festhalten.

Das klappt aber nur, wenn die Produktion schnell der Nachfrage angepasst werden kann. Aus diesem Grund werden Mitarbeiter in allen Nutzfahrzeugwerken um Weihnachten zwischen 21. Dezember und 11. Januar heimgeschickt. Sie müssen Urlaub nehmen, Überstunden abbauen oder sogar Minusstunden auf ihrem Arbeitszeitkonto in Kauf nehmen.

Wenn diese Maßnahme nicht ausreicht, ist auch Kurzarbeit bei MAN kein Tabu. Sie sei fürs erste Quartal 2013 in der Diskussion, sagte Nielsen. Bereits in den letzten Monaten bekamen vor allem die Leiharbeiter die Flaute zu spüren. In der Nutzfahrzeugsparte wurde abgebaut. 60 Prozent von ihnen sind nicht mehr bei MAN. Dagegen hat das Stammpersonal sogar noch zugenommen. Zwar gilt seit Jahresbeginn ein Einstellungsstopp. Doch bereits abgeschlossene Verträge wurden erfüllt, sagt Pachta-Reyhofen. Weil außerdem durch die Vollübernahme der indischen MAN-Aktivitäten auch noch rund 1100 dortige Mitarbeiter nun in den MAN-Büchern geführt werden, ist die Mitarbeiterzahl seit September in diesem Jahr um 2428 auf 54 970 gestiegen.

Bei der Maschinenbau-Tochter „Power Engineering“ hat sich sogar die Zahl der Leiharbeiter erhöht. Bei ihr ist die Lage aber auch nicht überall gut. Während sich Turbomaschinen und Getriebe nach wie vor gut verkaufen, brach die Nachfrage nach Schiffsmotoren um neun Prozent ein. Die Folge wird ein sinkender Umsatz sein. Deshalb könnten auf die Mitarbeiter im Werk Augsburg härtere Zeiten zukommen. Bei sinkender Auslastung, würden, so Lutz, auch auf diesen Bereich Überstundenabbau und Zwangsurlaub zukommen. Auffällig ist die rückläufige Marge in dem früher beständig hochprofitablen Maschinenbaubereich. Sie ist von 13,0 auf 10,8 zurückgegangen.

Um dauerhaft höhere Gewinne zu erzielen, will Lutz bei MAN die Kosten senken. Vor allem Verwaltung und Vertrieb sind ihm zu teuer und sollen sparen.

Martin Prem

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