Droht Yukos die Verstaatlichung?

- Moskau - Nach einem Jahr der Angriffe von Justiz und Politik ist Russlands größter Ölexporteur Yukos sturmreif geschossen und praktisch pleite. Die Gerichtsvollzieher sind im Haus, die Prozesse verloren und die Konten gesperrt. Der bis zuletzt hoch profitable Konzern steht vor der Insolvenz. Alles scheint nur noch eine Frage von Tagen. In Moskau gehen immer mehr Analysten davon aus, dass die Kontrolle über Yukos an den Staat geht.

Die Behörden verdoppelten in den vergangenen Tagen ihre Steuernachforderungen auf insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro. Die Forderungen für das Jahr 2000, umgerechnet 2,8 Milliarden Euro, müssen nach einem Gerichtsbeschluss umgehend beglichen werden. Die Gerichtsvollzieher gewährten eine Zahlungsfrist bis zur kommenden Woche.<BR><BR>"Der Appetit kommt beim Essen", kommentierte die Tageszeitung "Kommersant". Das Wirtschaftsblatt erwartet eine vorübergehende Verstaatlichung von Yukos als Lösung des Problems. Die Regierung werde die Anteile der Mehrheitseigner-Holding Menatep an Yukos so lange übernehmen, bis die Steuerschulden abgezahlt sind.<BR><BR>Das kann Jahre dauern: Aus den Steuerbehörden ist weiter zu hören, dass sich die gesamten Steuerschulden von 2000 bis 2004 auf insgesamt bis zu neun Milliarden Euro belaufen könnten. Vielleicht ist es nur ein Zufall, dass das Menatep-Paket an Yukos den gleichen Wert hat. Hinter Menatep steht der beim Kreml in Ungnade gefallene Großunternehmer Michail Chodorkowski, der sich wegen mutmaßlicher Betrugsdelikte vor Gericht verantworten muss.<BR><BR>"Die Eigentumsverhältnisse werden bald ganz anders aussehen als noch vor einem halben Jahr", vermutet der Analyst Steven Dashevsky von der Investmentfirma Aton Capital. Die einheimische, beim Kreml wohlgelittene Konkurrenz steht längst in den Startlöchern, um sich Anteile an dem hoch profitablen Konzern zu sichern.<BR><BR>Insgesamt sind die Aktiva von Yukos derzeit etwa 25 Milliarden Euro wert. Mit Hilfe ausländischer Investoren lässt sich das Problem nicht mehr lösen. Selbst wenn ein westliches Unternehmen die Yukos-Turbulenzen ignorierte und zum Teilkauf bereit wäre, käme es nicht zu einem Geschäft. Denn seit dem vergangenen Jahr ist der Verkauf von Yukos-Aktien verboten.<BR>Westliche Experten rechnen mit einem großen Schaden für das Investitionsklima, sollte Yukos tatsächlich verstaatlicht werden. <BR>

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