Drohungen vom Saufkumpan der Ex-Frau

München – Ein Brief sticht heraus aus der Weihnachtspost, als Bernie Ecclestone 2010 nach den Feiertagen wieder in sein Büro kommt. „Lieber Bernie“, beginnt der handschriftlich verfasste Brief ohne Datum an den Formel-1-Chef. Unterzeichnet ist er mit: „Die besten Wünsche, Gerhard“.

Das Schreiben stammt von Gerhard Gribkowsky, Ex-Vorstand der Bayerischen Landesbank. Es gibt Wichtiges zu besprechen – besser: abzusprechen. Er habe da ein Problem in Deutschland, schreibt Gribkowsky, eine Zeitung stelle unangenehme Fragen, woher die 44 Millionen Dollar stammen, die auf Konten seiner österreichischen Firmen eingegangen waren. Er habe ausgesagt, dass er Ecclestone beraten habe. Für Details werde „ein Londoner Anwalt demnächst direkt Kontakt aufnehmen“.

Dazu kommt es nicht mehr. Kurz nachdem Gribkowsky den Brief abschickt, wird er verhaftet. Seitdem sitzt der 53-Jährige in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe, die derzeit vor dem Landgericht München verhandelt werden, lauten: Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung.

Der Brief an Ecclestone, der gestern in der Verhandlung verlesen wurde, dürfte Gribkowskys Lage nicht verbessern. Auch die Aussagen des Formel-1-Chefs halfen nicht. Ecclestone blieb bei seiner Behauptung, er sei von Gribkowsky „subtil bedroht“ worden und habe deshalb Geld überwiesen. „Auch wenn jemand Sie ganz freundlich und liebenswürdig bedroht, muss man diese Bedrohung aus der Welt schaffen.“ Ecclestone behauptet, Gribkowsky habe angedeutet, er könne ihm Schwierigkeiten mit dem britischen Finanzamt bescheren. Die Behörde hatte ermittelt, weil sie den Verdacht hatte, dass Ecclestone die Bambino-Stiftung seiner Ex-Frau Slavica kontrollieren könnte – dann wären Nachzahlungen in Milliardenhöhe fällig geworden. Ecclestone bestreitet das.

Slavica Ecclestone und Gribkowksy seien „Saufkumpane“ gewesen, sagt Bernie Ecclestone. Er habe sich immer Sorgen gemacht, was die beiden besprechen, wenn sie gemeinsam in einem der Wohnwagen an den Formel-1-Rennstrecken saßen. „Ich befürchtete, sie könnte ihn verhören, ob ich noch weitere Freundinnen habe“, sagt Ecclestone. „Weitere Freundinnen neben Ihrer Ehefrau?“, fragt Gribkowskys Verteidiger. „Nein, nur eine.“

Übers Geschäft habe sich Gribkowsky mit Ecclestones Ex-Frau nicht unterhalten können, beteuert der Formel-1-Boss. Davon habe er ihr nie erzählt. Damit widerspricht er einer Aussage von Stephen Mullens, dem Vertreter der Bambino-Stiftung. Der hatte bei der Staatsanwaltschaft angegeben, dass er erst von Frau Ecclestone davon erfahren habe, dass es Drohungen gegen ihren Mann gebe.

Als die Staatsanwältin auf diesem Widerspruch beharrt und Zweifel an der Aussage Ecclestones anmeldet, droht ein Eklat. Ecclestones Anwalt Sven Thomas droht, die Befragung abzubrechen, er müsse sich dann auf ein Aussageverweigerungsrecht berufen. Denn gegen Ecclestone läuft ebenfalls ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechung. Zur Zeugenaussage war er freiwillig gekommen, aber erst nachdem das Gericht ihm freies Geleit zugesichert hatte.

Es ist nicht der erste und auch nicht der letzte Widerspruch in Ecclestones Aussage. Nicht einmal wer die Idee hatte, Gribkowsky mit Geld ruhig zu stellen, ist unstrittig. Ecclestone behauptet, Mullens habe gesagt: „Wir sollten das Problem aus der Welt schaffen, so schnell und so billig wir können.“ Auch er selbst habe damals gedacht, dass das eine Lösung sein könnte. „Es sah nach einem guten Geschäft aus.“

Er habe den Eindruck gehabt, dass Gribkowsky gern selbst „Mister Formel 1“ geworden wäre, sagt Ecclestone. Er habe Gribkowsky immer als „meinen Chef“ vorgestellt. „Und das gefiel im auch.“

Positiv ist für Gribkowsky nur Ecclestones Aussage, eine Provision für den Formel-1-Boss beim Verkauf der Rennserie sei unumgänglich gewesen. „Gribkowsky war nicht glücklich, aber ich machte klar, dass ich in der glücklichen Position war, diesen Verkauf geschehen zu lassen oder nicht.“ Das widerspricht der Theorie der Staatsanwaltschaft, dass Gribkowsky die BayernLB durch eine überflüssige Zahlung geschädigt habe.

Ecclestone flog gestern weiter nach Abu Dhabi zum Grand Prix. Eine willkommene Ablenkung vom Ärger in München. „Das ist eines der Dinge im Leben, die man lieber vergisst“, sagte er. „Leider werde ich im Augenblick ständig daran erinnert.“

Philipp Vetter

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