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Ihr Beruf ist für sie eine Leidenschaft: Die Druckerei-Chefs Wolfgang Huber (li.) und Peter Wagstyl haben bereits viele Branchenpreise gewonnen.

„‚Wir sind stolz darauf, Drucker zu sein“

Es ist noch gar nicht lange her, da haben die Chefs der Münchner Druckerei Color Gruppe die Bezeichnung Drucker als Beleidigung empfunden. Inzwischen haben die Mittelständler den Generationswechsel im Familienbetrieb gemeistert.

Warme Luft, angereichert mit dem für Druckereien so typischen Geruch aus Farbe und Öl, strömt Besuchern sanft entgegen sobald sie die Tür zur Color Gruppe öffnen. Über alle Stockwerke zieht sich ein stetes Stampfen, vibriert leicht der Fußboden. Die riesigen Offset- und Digitaldruck-Maschinen geben hier den Takt vor. Von außen wirkt das Gebäude an der Münchner Geretsrieder Straße unscheinbar. Und auch innen ist die Ausstattung etwas aus der Mode geraten. Doch der 80er-Jahre-Look mit Kunststoff-Lamellen-Decken, hellbraunen Kunststoff-Schrankwänden und mit Drahtgeflecht durchzogenen Trennfenstern täuscht. In den verwinkelten Räumen der Color Gruppe geht es um Kreativität und um Perfektion, wie die beiden Geschäftsführer Peter Wagstyl und Wolfgang Huber betonen.

Das bestätigt ein Blick in eine bescheidene Glasvitrine in der Ecke des Eingangs mit blank polierten Pokalen – Auszeichnungen der Branche. „Kunstdrucker des Jahres“ , „Druckerei des Jahres“ oder „Kalenderdrucker des Jahres“ steht darauf.

Mit leuchtenden Augen erzählen Peter Wagstyl und Wolfgang Huber von ihrem Beruf, den sie eine Leidenschaft nennen, während sich die Druck-Maschinen hartnäckig Gehör verschaffen. „Die Geräuschkulisse nehmen wir gar nicht mehr wahr“, sagt Peter Wagstyl und lacht. Nur wenn es plötzlich still ist, schrecken alle hoch. In drei Schichten laufen die Maschinen ab Sonntag 22 Uhr bis Freitag 22 Uhr – durchgehend.

Rund 100 Mitarbeiter beschäftigt die Color Gruppe, die von der Idee und ersten Skizzen, über den Druck bis zum Versand und der Lagerung alles übernimmt. „Wir hätten gern was Blumiges“; „Wir suchen eine pfiffige Lösung“ – das seien typische erste Sätze von Kunden, die nach einem Produktkatalog, Verpackungen, Visitenkarten oder anderen Druckerzeugnissen suchen. „Bei uns gibt es keine Ware von der Stange, wir fertigen Maßanzüge“, sagt Peter Wagstyl. Feste Preislisten gibt es nicht. Man bewege sich mit dem Komplett-Service in einem engen oberen Marktsegment der Druckbranche. „München ist dabei die perfekte Plattform, die Kunden sitzen hier direkt vor der Haustür“, sagt Wolfgang Huber, dessen Vater Anton Huber die Druckerei zusammen mit seinem Geschäftspartner Roland Schütz 1975 gegründet hatte. Rund 85 Prozent ihres Umsatzes machen die Mittelständler daher in einem 80-Kilometer-Radius rund um die Landeshauptstadt. Viele Kosmetik-, Sportartikel- und Schmuckhersteller gehören genauso zum Kundenstamm, wie einige Werbeagenturen und große Namen wie Agip, Giesecke & Devrient, HVB und Osram.

„Auf den ersten Blick macht jede Druckerei aus weißem Papier, buntes Papier“, sagt Wolfgang Huber. Entsprechend schwer falle es oft, Unterschiede zu anderen Betrieben deutlich zu machen. „Auch wir kommen aus der Mitte, wie jede andere Druckerei auch“, sagt Huber. Als der digitale Druck die Branche vor knapp fünfzehn Jahren revolutionierte haben sich die Münchner wie so viele andere auch als Medienhaus verstanden. „Wenn wir damals einen Kundenbesuch machten und es hieß ,Ah, der Drucker ist da‘, dann war das für uns eine verstaubte, fast beleidigende Bezeichnung“, erzählt Peter Wagstyl und lacht. „Jetzt sind wir stolz darauf, Drucker zu sein“, sagt Wolfgang Huber. „Wir haben uns auf unsere Wurzeln besonnen.“

Gegen die Niedrigpreise am Markt müssen sich die Mittelständler mit ihren hochwertigen Produkten nicht behaupten. „Wir verdrängen mit Qualität, nicht über den Preis“, erklärt Wolfgang Huber. Die Druckindustrie sei alles andere als eine Wachstumsindustrie: „Der Markt ist übersättigt.“ In den kommenden zehn, fünfzehn Jahren werde es daher massive Konsolidierungen geben, ist sich Huber sicher.

Auch die Color Gruppe ist auf der Suche nach Partnern. Hinderlich sei dabei, dass in den meisten Betrieben der Generationenwechsel noch nicht vollzogen sei. „Das war auch bei uns eine schwierige Situation“, sagt der Sohn des Firmengründers. Zusammen mit Peter Wagstyl hatte er schon einen Plan B in der Tasche: „Wir wären ausgestiegen.“. Doch sie einigten sich und Anfang 2001 übernahmen die beiden das Ruder.

Derzeit müssen sie das Unternehmen durch raues Fahrwasser lenken. „Die Wirtschaftskrise merken wir“, sagt Peter Wagsytl. Mit zehn Prozent weniger Umsatz rechnen sie in diesem Jahr. „Wir verlieren Masse“, erklärt Wolfgang Huber. „Aber für hochwertige Ware wird weiter Geld ausgegeben.“ Erst vor kurzem seien „richtig aufwendige“ Projekte von drei großen Automobilkonzernen reingekommen.

Mit einer „gewissen Sorge“ blicken die beiden Geschäftsführer jedoch in Richtung Heidelberg. Von dort stammt nahezu ihr gesamtes technisches Gerät. Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist von der Finanzkrise arg gebeutelt und machte zuletzt knapp eine Viertel Milliarde Euro Verlust. Jetzt bemüht sich der M-Dax-Konzern um Staatshilfe und will rund 5000 Arbeitsplätze streichen. Einen Gesprächstermin mit dem Vorstand in Heidelberg haben Peter Wagstyl und Wolfgang Huber bereits vereinbart.

Von Stefanie Backs

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