DSL-Frust - Jetzt wird gestreikt!

- Jeder dritte deutsche Haushalt hat inzwischen die Möglichkeit, über einen Breitband-DSL-Anschluss im Netz zu surfen. Das berichtete kürzlich der Medienverband Bitkom stolz. Eine scheinbar erfreuliche Nachricht. Doch im Umkehrschluss bedeutet das, dass zwei Drittel aller deutschen Haushalte nicht ans DSL-Netz angeschlossen sind.

Was die Lage in Bayern betrifft, listet der Bayerische Gemeindetag insgesamt 121 Gemeinden auf, in denen es mit dem DSL-Anschluss noch hapert.

Die tatsächliche Zahl scheint beträchtlich höher. Auf den Aufruf unserer Zeitung meldeten verärgerte Leser binnen weniger Stunden 37 weitere Gemeinden, in denen es mit dem DSL-Anschluss zumindest teilweise Probleme gibt. Besonders betroffen sind kleinere Orte mit geringer Einwohnerdichte. Doch auch in großen Städten gibt es vereinzelt Gebiete, in denen ein Anschluss ans DSLNetz nach wie vor nicht möglich ist. So liegt der DSL-Versorgungsgrad nach Erkenntnissen des Referats für Arbeit und Wirtschaft in der Landeshauptstadt bei gut 95 Prozent.

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39 500 Münchner Haushalte müssen demnach noch auf einen Anschluss an die schnelle Internetverbindung verzichten. Das bedeutet Frust und lange Wartezeiten beim Öffnen der Seiten für private Internet-Nutzer. Für Gemeinden, die vollständig vom DSL-Netz abgeschnitten sind, hat dieser Nachteil um einiges gravierendere Folgen. "Einige Firmen, die auf DSL angewiesen sind, haben uns den Rücken gekehrt", beschreibt Hans Schönauer, Bürgermeister der Gemeinde Irschenberg, die Situation. "Andere Firmen drohen mit Abwanderung. Neuansiedlungen scheitern am fehlenden DSL-Anschluss." Die Gemeinde Irschenberg ist nur eine von vielen bayerischen Gemeinden, die sich seit Jahren vergeblich um die moderne Internet-Technik bemühen.

Vielfach berichten Betroffene von den immer gleichen Problemen: Widersprüchliche Informationen, Entscheidungsträger, die für die Verbraucher nicht zu erreichen sind, endlose Briefwechsel, Vertröstungstaktiken und am Ende wieder kein Erfolg. Das Problem von Seiten der Anbieter: Eine flächendeckende Versorgung Deutschlands mit der schnellen Internetverbindung ist schlichtweg zu teuer (siehe Interview). Die Gemeinde Irschenberg will sich das jetzt nicht mehr länger gefallen lassen.

Bund und Land müssten sich für die benachteiligten Gemeinden einsetzen, sonst sei man nicht mehr länger bereit, die vollen finanziellen Leistungen zu bezahlen, die diese fordern (siehe Interview). Pläne für eine Kooperation hinsichtlich der Drohung an Land und Bund gibt es laut Schönauer noch nicht. "Irschenberg gibt den ersten Startschuss ab." Große Hoffnungen, dass die Gemeinde tatsächlich Ermäßigungen bekommt, hat er nicht.

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