DSL-Notstand bringt ländliche Regionen ins Hintertreffen

- Der Frust mangels einer flächendeckenden Anbindung ans DSL-Netz scheint ein Problem, das weite Teile Bayerns betrifft. Weil der Ausbau des DSL-Netzes zu teuer ist, müssen viele Gemeinden auf einen schnellen Internetzugang verzichten. Der Aufruf unserer Zeitung, zu melden, wo es nach wie vor Probleme mit DSL gibt, löste eine wahre Flut an E-Mails aus. Hunderte von Zuschriften erreichten uns seitdem

Auch noch kein DSL?

>>> Jetzt mitdiskutieren und Gebiete melden! 

"Ich hoffe, Sie können mit Ihrem Artikel etwas erreichen", schrieb Rudi Berghammer aus Götting. "Eine Kehrtwende muss unbedingt her."

Nach einer Liste des Bayerischen Gemeindetags sind 121 Kommunen in Bayern ohne DSL-Anschluss. Wie sich jetzt herausstellt, scheint das Problem in einer viel umfassenderen Größenordnung zu rangieren.

Verärgerte Leser berichten von immer neuen Gemeinden, in denen DSL entweder überhaupt nicht möglich ist oder weit unter der vom Anbieter versprochenen Übertragungsrate liegt. Preisnachlass gewährt die Telekom im letzten Fall nicht. Viele Betroffene haben längst aufgegeben und nehmen weite Wege oder teurere Gebühren in Kauf, um eine schnelle Internetverbindung nutzen zu können. Die Gemeinde Irschenberg prüft derzeit gar die Möglichkeit, Zahlungen an Bund und Land zu kürzen oder einzustellen, um wieder Chancengleichheit herzustellen. Wie der Bürgermeister berichtet, sind hier bereits Firmen mangels DSL-Anschluss abgewandert.

Die Betreiberfirmen verweisen potenzielle DSL-Kunden, die nicht im Verbreitungsgebiet wohnen, auf alternative Internet-Zugangsmöglichkeiten. Doch diese sind bei näherem Hinsehen wenig überzeugend.

Trotz dieses Missstandes fühlt sich niemand verantwortlich für die Beseitigung des Problems. T-Com-Sprecher Harry Fuchs erklärt das Dilemma der Telekom: "Man muss bedenken, dass das Monopol der Telekom weggefallen ist. Wir stehen wie alle anderen Firmen auch im Wettbewerb um Technologien." Keine Betreiberfirma ist bereit, das Leitungsnetz flächendeckend auszubauen. Niemand will investieren und damit anderen Anbietern den Weg zu den Kunden kostenlos frei machen. Auch Wirtschaftsminister Erwin Huber sieht keinen Bedarf, mit politischen Vorgaben eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen (siehe Interview). Die Bundesnetzbehörde verweist auf Fördergelder der EU-Kommission für Gemeinden zum Ausbau des Leitungsnetzes.

Droht der Wirtschaftsstandort Bayern also tatsächlich ins Hintertreffen zu geraten, wie viele Gemeinden vermuten?

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